Sudan: Grenzstreitigkeiten setzen sich trotz Abkommen fort

suedsudan-s.gifDer Südsudan rüstet sich trotz eines Anfangs der Woche erzielten Abkommens über die Entmilitarisierung der umstrittenen Grenzregionen zwischen Nord- und Südsudan gegen weitere Angriffe entlang der Grenze. Berichten der BBC zufolge kam es heute in der seit Mai von Einheiten des Nordens besetzten Abyei-Region wieder zu Gefechten zwischen Militäreinheiten beider Seiten.

Nur wenige Wochen vor der endgültigen Unabhängigkeit des Südsudan von den nördlichen Landesteilen kommt es entlang der zukünftigen Grenze weiterhin zu Auseinandersetzungen. Besonders in der Region Abyei, die seit Mai von Truppen des Nordens besetzt ist, und in Southern Kordofan State, einer Region die nördlich des geplanten Grenzverlaufs liegt, aber von vielen Unterstützern des Südens bewohnt wird, kommt es weiterhin zu militärischen Zusammenstößen.

Einheiten der südsudanesischen People’s Liberation Army (SPLA) haben sich Berichten der BBC zufolge heute in Abyei Gefechte mit Militäreinheiten des Nordens geliefert, obwohl Anfang der Woche eine Entmilitarisierung der umstrittenen Grenzregionen beschlossen worden war. Bei Gesprächen zwischen hochrangigen Vertretern beider Regime in Addis Abeba, der Hauptstadt des benachbarten Äthiopiens, war Anfang der Woche eine prinzipielle Einigung erzielt worden, die vorsieht, dass beide Seiten ihre Truppen aus den strittigen Grenzregionen abziehen und neutrale, äthiopische Peacekeeper stattdessen die Kontrolle über die Gebiete übernehmen sollen.

Das Misstrauen auf beiden Seiten bleibt allerdings weiterhin groß. Philip Aguer, der Sprecher der SPLA, teilte mit, dass der Süden weitere Angriffe des Nordens auf sein Gebiet befürchte und daher weitere Truppen zur Verteidigung des Staatsgebiets zusammengezogen werden. Aguer begründete diesen Schritt mit dem Ausbleiben des Rückzugs der nordsudanesischen SAF (Sudanese Armed Forces) aus Abyei. Der Süden befürchtet, dass der Nordsudan vor dem Termin der Unabhängigkeit am 9. Juli noch weitere Gebiete und Ölfelder entlang der Grenze unter seine Kontrolle bringen will.

Das zwischen beiden Seiten ausgehandelte Friedensabkommen von 2005, das Jahrzehnte des Bürgerkriegs beendete, sah eine Abstimmung über die Unabhängigkeit der südlichen Gebiete vor. 99,8 Prozent der Südsudanesen stimmten Anfang des Jahres für die Abspaltung vom Norden. Durch diesen Schritt fallen dem Südsudan auch drei Viertel der Ölreserven des Landes zu. Insgesamt fördert der Sudan derzeit etwa 500.000 Barrel täglich, womit das Öl eine essentielle Einnahmequelle für den Sudan darstellt. Auch nach der Abspaltung des Südens würde der Norden weiter am Ölgeschäft verdienen, da alle Pipelines durch den Nordsudan zum Roten Meer führen.

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