„Notfallplan“ zur Auslöschung der Polio gestartet

nigeria.gifDie Globale Initiative zur Auslöschung der Polio, der auch die WHO angehört, hat einen Notfallplan zur Bekämpfung der oft auch als Kinderlähmung bezeichneten Krankheit ins Leben gerufen. Da es in den vergangen Jahren in Nigeria, Angola, der Demokratischen Republik Kongo, Tadschikistan und Teilen Chinas wieder zu Epidemien gekommen war, warnt die WHO vor einer „explosionsartigen Ausbreitung“ der Krankheit, die bereits nahezu komplett ausgelöscht war.

Die Infektionskrankheit Poliomyelitis ist von der Globalen Initiative zur Auslöschung der Polio, der auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) angehört, zu einem „globalen Notfall“ erklärt worden. Als Grund für diesen drastischen Schritt nannte die Organisation die Tatsache, dass es in den vergangenen Jahren in etlichen Ländern, die zuvor als Polio-frei galten, zu „explosionsartigen“ Ausbrüchen gekommen ist.

Der „Notfallplan“ umfasst eine Intensivierung der der Impfkampagnen in Nigeria, Pakistan und Afghanistan, den einzigen drei Staaten, in denen die oft auch als Kinderlähmung bezeichnete Krankheit noch endemisch auftritt. Experten fürchten, dass die Infektionskrankheit, die weltweit fast ausgerottet war, „mit voller Wucht zurück kommen könnte“, wenn jetzt nicht die nötigen Maßnahmen zu einer vollständigen Ausmerzung ergriffen werden.

In den vergangenen Jahren war es in Tadschikistan und China, wo es seit über zehn Jahren keinen Fall mehr gab, zu erneuten Ausbrüchen gekommen. Auch in einigen afrikanischen Ländern kam es zu Epidemien, betroffen waren vor allem der Norden Nigerias, Angola und die Demokratische Republik Kongo. Im Kongo meldete die WHO im Dezember 2010 über 180 Todesfälle und 476 Lähmungen, die auf das Poliowildvirus Typ I zurückgeführt wurden. Besorgniserregend ist zum einen, dass die Krankheit dort seit dem Jahr 2000 als ausgerottet galt und zum anderen, dass die Sterblichkeit mit 42 Prozent der Infizierten extrem hoch lag und auch ältere Menschen betroffen waren.

Bruce Aylwar, der Chef der Ausrottungskampagne bei der WHO betonte, dass dringend Maßnahmen – insbesondere Impfungen von Kleinkindern – unternommen werden müssen, um das Problem in den Griff zu bekommen und eine großflächige Rückkehr der Krankheit, die häufig bleibende Lähmungen hinterlässt oder durch eine Lähmung des Herzmuskels sogar zum Tod führt, zu verhindern. Wenn man das Problem jetzt ernst nimmt, sei es mit einem letzten „big push“ möglich, Poliomyelitis weltweit auszulöschen – ein Ziel, dass die WHO schon im Jahr 2000 erreicht haben wollte.

Doktor Aylward mahnte aber auch, dass derzeit 950 Millionen US-Dollar bei der Finanzierung des Vorhabens fehlen, weshalb die Organisation sich gezwungen sah, die Impfkampagnen in einigen Ländern zu stoppen. Hinzu kommt, dass in manchen Ländern Konflikte und ein mangelndes Vertrauen in die Wirksamkeit der Impfungen die Ausrottung erschweren. Sollten keine „Notfallmaßnahmen“ unternommen werden, befürchtet die WHO, dass die Zahl der durch die Krankheit gelähmten Kinder innerhalb von einem Jahrzehnt von etwa 1.000 wieder auf über 200.000 Fälle jährlich steigen könnte.

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