Elfenbeinküste: Schwere Kämpfe in Abidjan

elfenbeinkueste.gifIn der wirtschaftlichen Hauptstadt der Elfenbeinküste, Abidjan, sind schwere Kämpfe zwischen Truppen Ouattaras und den verbleibenden Soldaten Gbagbos ausgebrochen. Die Gefechte konzentrieren sich auf die Umgebung um den Präsidentenpalast, die Rundfunkzentrale und einige strategisch wichtige Stadtteile. Laurent Gbagbo weigert sich weiterhin zurückzutreten, obwohl Ouattaras Truppen bereits über 80 Prozent des Landes unter ihrer Kontrolle haben.

Einheiten des von den Vereinten Nationen und der Afrikanischen Union als Wahlsieger anerkannten Präsidenten Alassane Ouattara sind heute in die Wirtschaftsmetropole Abidjan vorgerückt. In einer letzten großen Offensive versuchen sie die verbleibende Macht Laurent Gbagbos – der sich weigert das Präsidentenamt abzugeben – zu brechen. In der Nähe des Präsidentenpalastes und aus einigen anderen Stadtteilen werden heftige Kämpfe gemeldet.

Seit Montag sind die Truppen Ouattaras, die sich primär aus ehemaligen Rebellen aus dem Norden konstituieren, auf dem Vormarsch. In einer groß angelegten Offensive gelang es ihnen innerhalb weniger Tage über 80 Prozent des Landes unter ihre Kontrolle zu bringen, darunter auch den wichtigen Exporthafen San Pedro und die politische Hauptstadt der Elfenbeinküste, Yamoussoukro. Um ihr Loyalität zu Ouattara und ihre Legitimität zu unterstreichen, haben sich die Einheiten unter dem Namen Republikanische Streitkräfte der Elfenbeinküste (FRCI) zusammengeschlossen.

Was bei den Kämpfen der letzten Tage auffällt, ist die Tatsache, dass es keine Verfolgung von Gbagbo-Anhängern durch die FRCI im großen Stil gegeben hat und dass Ouattaras Truppen während ihres Vormarsches kaum auf Gegenwehr gestoßen sind. Ouattaras Premierminister, Guillaume Soro, erklärte diesbezüglich, dass die FRCI zu einer Armee für die gesamte Elfenbeinküste werden und eine weitere Spaltung vermieden werden solle. Viele Soldaten der bisherigen Armee, die auf Seiten Gbagbos steht bzw. stand, sind einem Aufruf Ouattaras gefolgt und haben die Seiten gewechselt. Der Chef der Streitkräfte, Philippe Mangou, hat in der Botschaft des südafrikanischen Botschafters Zuflucht gesucht.

Gbagbos Elitetruppe, die etwa 2.500 Mann zählende Republikanische Garde, unterstützen weiterhin den abgewählten Machthaber. Sie sind besser ausgebildet als normale Soldaten und – was vermutlich der Grund für ihre Loyalität sein dürfte – deutlich besser bezahlt als diese. Die Republikanische Garde ist der harte Kern der Soldaten, die in Abidjan nun Widerstand gegen Ouattaras Truppen leisten.

Die schwersten Kämpfe in der am Meer gelegenen wirtschaftlichen Hauptstadt der Elfenbeinküste werden aus der Gegend um den Präsidentenpalast gemeldet. Auch im Stadtteil Treichville, in dem die Republikanischen Garden eine Basis haben, soll es zu Gefechten um Brücken gekommen sein, die in das auf einer Insel gelegene Stadtzentrum führen. Ebenfalls schwer umkämpft ist die Sendezentrale des staatlichen Rundfunks, der in der Nacht den Sendebetrieb einstellte, nachdem Truppen Ouattaras das Gebäude in ihre Gewalt gebracht hatten. Anhänger Gbagbos reklamierten am Morgen jedoch für sich, das Gebäude wieder in ihrer Gewalt zu haben.

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