Friedenspreis für Schriftsteller aus Algerien

algeria.gif Der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels geht dieses Jahr an den algerischen Schriftsteller Boualem Sansal. Der 63-jährige wird ausgezeichnet für seine ehrlichen und mutigen Werke über die Zustände in seinem Heimatland Algerien. Sansal kritisiert in seinen Büchern Korruption und Machtmissbrauch und schreibt für Frieden und Demokratie.

Der algerische Schriftsteller Boualem Sansal ist am Sonntag mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. Überreicht wurde ihm der Preis in der Paulskirche in Frankfurt. Unter den 1000 geladenen Gästen war auch der Bundestagspräsident Norbert Lammert. Eine ergreifende Laudatio hielt der Schweizer Peter von Matt, der als Schriftsteller und Literaturwissenschaftler ebenfalls bekannt ist.

Boualem Sansal, ausgebildeter Ingenieur und Ökonom, schrieb erst mit 47 Jahren seinen ersten Roman. In „Der Schwur der Barbaren“ befasst sich Sansal kritisch mit der zunehmenden Islamisierung seiner Heimat Algerien. Für sein Erstlingswerk erhielt er in Frankreich den Prix de Premier Roman, seinen Job als Direktor des algerischen Industrieministeriums musste er jedoch bald nach der Erscheinung des Werkes räumen. Seinen zweiten Roman mit dem Titel „Das verrückte Kind aus dem hohlen Baum“ veröffentlichte Sansal im Jahr 2000. Darin lässt er zwei Todeskandidaten in einem algerischen Gefängnis einen Stellvertreterdialog zwischen der westlichen und der arabischen Welt führen, wobei er auf ehrliche aber heitere Weise unerwartete Übereinstimmungen zu Tage fördert.

Der heute 63-jährige greift in seinen Büchern Themen der algerischen Gesellschaft auf, die in seinem Land nicht ohne persönliches Risiko zu thematisieren sind. Sansal schreibt über Korruption und den Missbrauch der Macht, über die Rechte der Frauen in einer muslimischen Gesellschaft, über Krieg und Frieden und über Freiheit und Demokratie. Sansal berichtet in seinen Büchern auf oft heitere und manchmal satirische aber stets tiefgründige Weise über das Algerien der heutigen Zeit.

Sansal gilt als mutiges Beispiel unter den algerischen Schriftstellern, die sich kritisch über die Zustände in ihrem Heimatland äußern. Trotz anraten seiner Verleger weigerte er sich von Anfang an, seine Bücher unter einem Pseudonym zu veröffentlichen. Als einer der wenigen gesellschaftskritischen Autoren Algeriens lebt Sansal bis heute in seiner Heimat. Viele seiner Autorenkollegen ziehen ein vergleichsweise sicheres Leben im Exil vor. Auch dieser Mut wird mit der Verleihung des Friedenspreises ausgezeichnet.

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