Tunesien: Proteste gegen religiösen Extremismus

tunesien.gifEtwa 1.000 Menschen haben am Donnerstag in Tunis, der Hauptstadt des nordafrikanischen Tunesiens, gegen religiös motivierte Gewalt und den wachsenden Einfluss radikal-islamistischer Strömungen demonstriert. Der Protest war eine Reaktion auf die Aktion einer Gruppe radikaler Salafisten, die vor knapp zwei Wochen ein Kino gestürmt hatten, um die Vorführung eines Filmes zu verhindern.

Mehr als 1.000 Menschen haben am gestrigen Donnerstag in Tunesiens Hauptstadt Tunis gegen religiös motivierte Gewalt und den zunehmenden Einfluss radikaler islamistischer Strömungen in dem nordafrikanischen Land demonstriert. An den Protesten beteiligten sich Mitglieder etlicher Parteien und Menschenrechtsgruppen.

Der Protestmarsch im Zentrum der Hauptstadt war eine Reaktion auf die Aktion einer salafistischen Bewegung vor knapp zwei Wochen. Am 26. Juni hatten sechs Männer, die vermutlich der nicht genehmigten Salafist Tahrir Partei angehören, gewaltsam ein Kino in Tunis gestürmt, um die Vorführung des Films „No God, No Master“ zu verhindern. Der Film handelt vom Säkularismus in Tunesien.

Die sechs Männer wurden umgehend festgenommen und einige Tage später verhaftete die Polizei weitere 30 Personen, als eine Gruppe salafistischer Demonstranten sich vor dem Gerichtsgebäude in Tunis versammelte und die Freilassung der inhaftierten Männer forderte.

Auf ihren Bannern forderten die Demonstranten gestern religiöse Freiheit, Meinungsfreiheit und ein freies Tunesien und verurteilten zugleich jede Form von Extremismus. Ahmed Brahim, der Führer der linksgerichteten Ettajdid Partei, der auch an den Protesten teilnahm, erklärte, dass durch die Aktion gezeigt werden solle, dass das Land allen Tunesiern gehöre. Zur Zeit komme es aber zu besorgniserregenden Ereignissen, die schleunigst aufhören müssten, so Brahim weiter.

Mit zunehmender Skepsis betrachten die Demonstranten auch den stetig wachsenden Einfluss der größten islamistischen Partei des Landes, Ennahda. Unter dem Regime des früheren Herrschers Zine el Abidine Ben Ali war die Ennahda verboten. Nach der Revolution im Januar wurde sie legalisiert. Obwohl die Partei noch in den Kinderschuhen steckt, werden ihr gute Chancen bei den Wahlen im Oktober ausgerechnet. Viele Tunesier fürchten, dass durch einen Erfolg der Partei das säkulare Prinzip in Tunesien ins wanken geraten könnte.

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