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Somalia: Krieg und Dürre

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Sonntag, 10. Juli 2011

Rasheed Hassan hat es geschafft. Er hat Somalia verlassen und hat das Flüchtlingscamp auf der anderen Seite der Grenze in Dolo Ado erreicht. Doch das Leid das hinter ihm liegt ist unbeschreiblich. Zwei seiner Söhne (8 und 12 Jahre) wurden bei Kämpfen getötet, der Dritten starb auf dem Weg vor Erschöpfung. Acht Tage ist er gelaufen, bis er das Flüchtlingslager erreicht hat, in dem bereits über 100.000 Menschen leben und das täglich weiter wächst.

Rasheed Hassan ist einer von 1.600 Menschen die Tag für Tag in Dolo Ado ankommen, das schätzt das Flüchtlingskommissariat der Vereinten Nationen (UNHCR). Die Menschen fliehen vor Kämpfen zwischen Milizen, die einflussreichsten sind die al-Shabaab, denen eine Verbindung zu al-Qaida nachgesagt wird, und der Regierung, die in Somalia kaum noch Einfluss besitzt. Jetzt fliehen viele Menschen aber auch noch vor der Dürre – einer der schlimmsten Dürren in Ostafrika seit mehr als zwei Jahrzehnten.

Emilia Casella vom Welternährungsprogramm schätzt, dass 2,85 Millionen Menschen in Somalia – das ist ein drittel der gesamten Bevölkerung – durch den Bürgerkrieg und die Dürre auf humanitäre Hilfe angewiesen sind. Aufgrund der unsicheren Lage können fast alle Hilfsorganisationen derzeit nur in den riesigen Flüchtlingscamps entlang der Grenzen Somalias Hilfe leisten und auch das nur begrenzt.

Der Leiter der Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, will deshalb nun auch Hilfsorganisationen direkt in das Land bringen, um den hungernden Menschen, die aufgrund der anhaltenden Konflikte nicht fliehen können, zu helfen. Die UN verhandelt derzeit mit den radikal-islamistischen al-Shabaab Milizen über Hilfslieferungen in die von den Rebellen kontrollierten Gebiete, was eine schwierige und gefährliche Mission für die Helfer ist.

Ärzte ohne Grenzen ist eine der wenigen Organisationen, die momentan noch in den von al-Shabaab regierten Gebieten aktiv ist. Laut der Aussage der Organisation haben sich dort bereits Flüchtlingslager gebildet, in denen mehr als 5.000 Menschen verzweifelt Hilfe suchen. Ärzte ohne Grenzen kann allerdings nur medizinische Notversorgung gewährleisten, Essen kann die Organisation nicht bereitstellen.

 




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