Tunesien lehnt Intervention Italiens ab

tunesien.gifImmer mehr Menschen aus Tunesien versuchen auf dem Seeweg aus ihrem Land zu flüchten. Allein in den vergangenen Tagen haben rund 5000 Menschen die italienische Insel Lampedusa erreicht. Um den Flüchtlingsstrom zu beenden, wollte der italienische Innenminister Polizisten in Tunesien stationieren. Die dortige Übergangsregierung hat dies abgelehnt. Eine Einmischung aus Europa in die inneren Angelegenheiten des Landes sei nicht erwünscht.

Seit der Revolution in Tunesien versuchen immer mehr Menschen aus ihrem Land nach Europa zu flüchten. Der Präsident Ben Ali ist weg, die meisten Probleme sind geblieben. Viele junge Leute sehen in Tunesien keine Perspektive. Die Lebensunterhaltskosten sind hoch, Jobs gibt es viel zu wenige. Durch die Proteste hat die Wirtschaft Tunesiens zusätzlich gelitten, da nun auch die Touristen ausbleiben. Auch berichten die Flüchtlinge von teilweise anhaltenden anarchischen Zuständen in Tunesien. Die Gewalt ist noch nicht zu Ende. Besonders Frauen fürchten sich vor Vergewaltigungen und gewaltsamen Übergriffen.

Allein in den vergangenen fünf Tagen sollen mehr als 5.000 Menschen aus Tunesien die italienische Insel Lampedusa erreicht haben, darunter auch viele Frauen. Italien ist mit diesem Flüchtlingsstrom aus Nordafrika heillos überfordert. Der italienische Innenminister kündigte am Sonntag an, italienische Polizisten nach Tunesien schicken zu wollen, um die Flüchtlinge noch vor Ort daran zu hindern, in die Boote in Richtung Europa zu steigen.

Tunesiens Übergangsregierung zeigte sich über diesen Vorschlag wenig begeistert. Die Kontrollen an der Küste seien bereits verschärft worden. Eine Intervention aus Italien ist ausdrücklich nicht gewünscht. Zahlreiche Menschen sind beim Versuch aus Tunesien zu flüchten und die Grenze illegal zu überqueren bereits festgenommen worden. Zahlen nannte die Regierung nicht, eine tunesische Zeitung berichtete, dass die Beamten allein in den letzten Tagen zwischen 1.000 und 1.500 Menschen an einer Überfahrt gehindert hätten.

Die Flüchtlinge, die Lampedusa erreichen, werden inzwischen mit Fähren und Flugzeugen zunächst auf das italienische Festland gebracht, wo ihre Identitäten überprüft werden. In den vergangenen Tagen mussten zahlreiche Menschen notdürftig untergebracht werden, da die Mittelmeerinsel nicht auf so viele Flüchtlinge vorbereitet war. Viele mussten bei niedrigen Temperaturen im Freien übernachten und konnten nur äußerst notdürftig versorgt werden.

Italien hat inzwischen den humanitären Notstand ausgerufen und fordert die Unterstützung durch die Vereinten Nationen. Deren Außenbeauftragte Catherine Ashton wird voraussichtlich noch heute nach Tunesien reisen, um der Übergangsregierung die Hilfe der VN bei einer schnellen Durchführung der angekündigten Reformen anzubieten.

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