Senegal: Beginn einer neuen Ära – Sall gewinnt Präsidentschaftswahl

senegal.gifMacky Sall wird neuer Präsident des Senegal. Ein offizielles Ergebnis der Stichwahl vom Sonntag wird zwar erst im Laufe des heutigen Abends erwartet, aber schon jetzt ist klar, dass Sall deutlich mehr Stimmen als der Amtsinhaber Abdoulaye Wade erhalten hat. Dieser erkannte seine Niederlage umgehend an und setzte damit ein deutliches Exempel für die Demokratie. Die UN, die AU und die EU gratulierten dem Senegal zu den fairen Wahlen.

Bereits in der Nacht gab es auf den Straßen der senegalesischen Hauptstadt Dakar kein Halten mehr, nachdem erste Hochrechnungen der Stichwahl um das Präsidentschaftsamt einen erdrutschartigen Sieg für den Herausforderer Macky Sall vermuten ließen. Tausende Bewohner der Stadt strömten aus ihren Häusern, zündeten Feuerwerk, fuhren hupend und singend durch die Straßen und feierten bis zum Morgengrauen.

Bei der Stichwahl am gestrigen Sonntag konnten die Menschen zwischen dem seit zwölf Jahren regierenden Präsidenten Abdoulaye Wade und seinem Herausforderer Macky Sall wählen. Letzterer ist ein ehemaliger Gefolgsmann Wades und hat während dessen Amtszeit auch schon das Amt des Premierministers inne gehabt. Vor einigen Jahren haben die beiden Politiker sich jedoch entzweit und Sall hat während des Wahlkampfes immer wieder kritisiert, dass der amtierende Präsident nicht genügend Initiative zur Bekämpfung der Armut und hohen Arbeitslosigkeit zeige.

Der 50-jährige Sall hat angekündigt, eben diese Probleme verstärkt anzugehen und die Preise für Grundnahrungsmittel zu senken. Darüber hinaus möchte der neu gewählte erste Mann im Senegal die Amtszeit des Präsidenten von sieben auf fünf Jahre reduzieren. Nicht wegen der Dauer, sondern wegen der Anzahl der Amtszeiten war es im Vorfeld der Wahlen bereits zu einiger Unruhe gekommen.

Präsident Wade hatte die Anzahl auf zwei Amtszeiten beschränkt, selbst jedoch bei der jetzigen Wahl eine dritte Amtsperiode angestrebt. Begründet hat er dieses Vorgehen damit, dass die Beschränkung erst nach Ablauf seiner ersten Amtszeit in Kraft getreten sei und diese deshalb nicht mit zu rechnen ist. Seiner Argumentation folgte auch das oberste Gericht, nicht jedoch eine Vielzahl der Bürger des Senegal. Diese demonstrierten vor der Wahl zu Tausenden gegen Wades erneutes Antreten, mindestens sechs Menschen wurden getötet und die Angst vor einem Festhalten Wades an der Macht stieg.

Umso mehr hat es nun alle Menschen des Landes gefreut, dass der 85-jährige Wade seine Niederlage umgehend anerkannte und seinem Herausforderer gratulierte. Die Europäische Union, der Vereinten Nationen und die Afrikanische Union gratulierten dem Senegal zu den friedlichen Wahlen und sprachen von einem demokratischen Beispiel für ganz Afrika. Wie dünn der Mantel der Demokratie im Gegensatz dazu manchmal sein kann, hat sich erst vergangene Woche im benachbarten Mali gezeigt, als dort das Militär gegen die Regierung geputscht hat.

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