Die Augenbohne gegen Hunger und Armut in Afrika

senegal.gifAfrika ist immer noch der mit Abstand am stärksten von Hunger und Unterernährung betroffene Kontinent, wie der kürzlich veröffentliche Welthunger-Index 2010 bestätigt. Im Senegal kamen nun Experten und Wissenschaftler zu einer Konferernz zusammen, um das Potenzial der Augenbohne – einer sehr proteinreichen und leicht kultivierbaren Hülsenfrucht – im Kampf gegen Armut und Hunger im afrikanischen Kontext zu besprechen.

Im Rahmen des Welternährungsgipfels, der seit gestern in Rom tagt, wurde der Welthunger-Index 2010 der Öffentlichkeit vorgestellt. Diese neueste Studie zeigt deutlich: Immer noch ist Afrika mit Abstand der am meisten von Hunger und Unterernährung betroffene Kontinent. Mit nur zwei Ausnehmen liegen alle 29 Länder, deren Ernährungssituation als besonders alarmierend eingestuft wurde, in Afrika südlich der Sahara.

Die Studie, die in Zusammenarbeit der Hilfsorganisationen Welthungerhilfe und Concern Worldwide mit dem Forschungszentrum IFPRI durchgeführt wurde, schafft Fakten, die betroffen machen. Weltweit leiden knapp eine Milliarde Menschen an Unterernährung, das entspricht fast jedem 6. Menschen auf der Welt. 2,2 Millionen Kinder sterben jedes Jahr an den Folgen von Nahrungsmittelknappheit. Die Verbesserung der Situation im Vergleich zum Welthunger-Index vom vergangenen Jahr ist nur minimal. Das Millenniumsziel der Vereinten Nationen, die Zahl der an Armut und Hunger leidenden Menschen bis 2015 zu halbieren, scheint vor diesem Hintergrund mehr als unrealistisch.

Während in Rom Politiker und Experten über Themen wie Lebensmittelkennzeichnung und Vorgaben für Verpackung debattieren, sind im Senegal Agrarwissenschaftler zu einer Konferenz zusammengekommen, um konkret nach einem Lösungsansatz für das Problem der Nahrungsmittelknappheit speziell im afrikanischen Kontext zu suchen. Im Zentrum steht dabei die Augenbohne, auch Kuhbohne genannt. Nahe der senegalesischen Hauptstadt Dakar trafen sich Wissenschaftler und Experten, um eine Studie über die Bedeutung dieser Bohnenart im Kampf gegen Armut und Hunger auszuwerten, die von einer amerikanischen Hochschulabsolventin durchgeführt wurde.

Die Augenbohne ist nicht nur extrem reich an lebenswichtigen Proteinen, sie ist auch anspruchslos in ihrer Kultivierung. Auch in wenig fruchtbaren Böden gedeiht diese Hülsenfrucht ohne größeren Aufwand. Die Teilnehmer der Konferenz im Senegal plädieren für einen vermehrten Anbau der Augenbohne, um effektiv und vor allem kontextspezifisch den Hunger in Afrika zu bekämpfen. Der Anbau dieser Frucht entspricht den lokalen Bedingungen und fördert damit auch die Unabhängigkeit der Länder von häufig sehr aufwendigen und mäßig produktiven Maßnahmen zur Steigerung der Lebensmittelproduktion durch ausländische Geberinstuitutionen.

Darüber hinaus wurde auf der Konferenz auch über Strategien der Vermarktung dieser nahrhaften Frucht diskutiert. Die Studie über die Augenbohne, die in Ghana und im Niger durchgeführt wurde zeigt, dass besonders Frauen von deren Anbau profitieren können, indem sie sich durch den Verkauf eine eigene wirtschaftliche Existenzgrundlage schaffen. Da die Nachfrage nach Produkten aus diesem proteinhaltigen Nahrungsmittel stetig steigt, wird sich das wirtschaftliche Potenzial der Augenbohne in den kommenden Jahren noch vergrößern. In der Studie wird die Vergabe von Darlehn an die Marktfrauen gefordert, um den Anbau und den Vertrieb der Hülsenfrucht noch rentabler zu machen.

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