Ist Mubarak am Ende?

aegypten.gifMit Spannung wird noch heute Abend eine Ansprache des ägyptischen Präsidenten Hosni Mubarak im staatlichen Fernsehen erwartet, bei der er möglicherweise seinen Rücktritt bekanntgeben wird. Im Laufe des Tages häuften sich die Hinweise, die diese überraschende Wende in Ägypten immer wahrscheinlicher erscheinen lassen. Der Rücktritt Mubaraks gilt zwar als wahrscheinlich, wurde bisher aber keinesfalls offiziell bestätigt. 

Die Spekulationen über einen möglichen Rücktritt des ägyptischen Despoten Hosni Mubarak häufen sich seit dem Nachmittag. Für den Abend ist ein Auftritt Mubaraks im ägyptischen Staatsfernsehen angekündigt, in dem er sich persönlich an sein Volk wenden wird. Beobachter halten es inzwischen für wahrscheinlich, dass der Präsident nun doch den Forderungen der Protestanten nachkommen und seinen Rücktritt erklären wird. Derzeit hat sich Mubarak mit seinem Stellvertreter Omar Suleiman zu einer vertraulichen Unterredung zurückgezogen. Im Anschluss daran wird seine Rede im Fernsehen erwartet.

Die Hinweise dafür, dass Mubarak nach über zwei Wochen Massenprotesten in Ägypten tatsächlich am Ende ist, sind nicht mehr von der Hand zu weisen. Der General Hassan al Rueini sprach heute zu den Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Kairo, wo sich im Laufe des Tages erneut zehntausende Menschen versammelt hatten. Er verkündete, dass alle Forderungen der Protestanten noch heute erfüllt werden sollen. Viele verstehen diese Information als die Ankündigung für den Rücktritt des Präsidenten. Nicht nur in Kairo, sondern auch in zahlreichen weiteren Städten Ägyptens haben sich heute zehntausende Menschen zu Protesten und Kundgebungen versammelt, um den Druck auf Mubarak zu erhöhen.

Auch die Armee scheint sich inzwischen eindeutig auf die Seite der Demonstranten gestellt zu haben. Im Laufe des Tages fand offenbar ein Treffen der Führungsriege statt, an dem weder Mubarak selbst noch sein Stellvertreter Suleiman anwesend waren. Wie ein Sprecher der Armee vor wenigen Stunden verkündete, werden sich die Streitkräfte dafür einsetzen, dass die Forderungen der Menschen umgesetzt werden.

Mehrere Mitglieder der Regierungspartei haben heute außerdem öffentlich den Rücktritt des Präsidenten gefordert. Darunter auch der Generalsekretär der Partei, Hossan Badrawi. Es sieht derzeit also danach aus, als hätte Mubarak nicht nur die Unterstützung der Armee verloren, sondern auch die Rückendeckung durch seine eigene Partei. Zumindest teilweise, denn der Informationsminister Ägyptens dementierte noch vor Kurzem sämtliche Gerüchte über einen Rücktritt Mubaraks.

Die Meldungen aus Ägypten lassen also bisher noch jede Möglichkeit offen. Gewissheit, ob die Ära Mubarak am heutigen Tage nach mehr als dreißig Jahren tatsächlich zu Ende geht, wird es wohl erst im Laufe des Abends durch den Präsidenten selbst geben.

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