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Pimp my LKW im Sudan

Geschrieben von Eva Kauke   
Dienstag, 26. Oktober 2010

Was nicht passt, wird passend gemacht. Das ist das Credo des Handwerkstandes im Sudan. Hier werden bereits seit vierzig Jahren aus Europa importierte LKWs auf äußerst innovative, komplexe und kreative Weise den lokalen Bedingungen angepasst. Wenn die Fahrzeuge aus dem Westen im Sudan eintreffen, sind sie auf den oft holprigen Pisten des Landes kaum nutzbar, von einer Fahrt in die Wüstenregionen ganz zu schweigen. Sudanesische Handwerker aus verschiedenen Bereichen haben es sich daher zur Aufgabe gemacht, die Fahrzeuge der Umgebung entsprechend umzukonstruieren.

Neben Mechanikern sind auch Schmiede und Schreiner an diesem Vorhaben beteiligt. Die LKWs werden im Rahmen ihrer Anpassung fast vollständig auseinandergenommen und neu wieder zusammengebaut. Aus für befestigte Straßen konstruierten Fahrzeugen werden so LKWs für unwegsames Gelände, mit denen auch die noch so entlegenen Dörfer des Sudan erreichbar sind. Pimp my LKW auf Sudanesisch. Das klingt nicht nur beeindruckend, sondern ist nebenbei auch eine wichtige Innovation für die Marktwirtschaft des Landes. Produkte aus der Stadt gelangen so in die Dörfer und umgekehrt.

Angefangen hat dieses Geschäft mit den LKWs in den 1960er Jahren, als die ersten Fahrzeuge des Unternehmens Bedford TJ von England in den Sudan exportiert wurden. Heute hat der LKW-Umbau im Sudan längst Tradition. Zahlreiche Werkstätten sind seither entstanden, die die Techniken der lokalen Anpassung stets improvisieren. Die Handwerker geben ihr Wissen an die nächste Generation weiter, die wiederum ihre eigenen Kenntnisse in die Arbeit mit einbringen. Kein Wunder also, dass das Prinzip der technischen Anpassung des Bedford TJ-Models längst auch auf andere Fahrzeugtypen übertragen worden ist.

Aufmerksam auf diese kreative Form technischer Aneignung im Sudan macht die Ethnologin Valerie Hänschel in ihrem preisgekrönten Dokumentarfilm „Sifinja – die eiserne Braut “. Detailgetreu und authentisch dokumentiert Hänschel dieses Phänomen. Die Handwerker selbst erzählen von ihrer Arbeit und blicken zurück zu den Anfängen des Geschäftes mit den „sinfinjas“, was in der Landessprache des Sudan so viel wie bequeme Schuhe bedeutet. Dank mehrjähriger Forschungsarbeit zu dieser Thematik ist der Film nicht nur eine Bestandsaufnahme, sondern dokumentiert auch den technischen Wandel, der mit dem Umbau der LKWs einhergeht.

 




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