Wieder Gewalt bei Protesten in Ägypten

aegypten.gif Am Wochenende kam es in Ägypten erneut zu großen Demonstrationen. Hunderttausende forderten auf dem Tahrir-Platz in Kairo den Rücktritt von Mohammed Hussein Tantawi, dem Vorsitzenden der Militärregierung, die nach dem Rücktritt Mubaraks die Führung im Land übernommen hat. Mindestens ein Demonstrant soll bei der gewaltsamen Auflösung einer Versammlung in der Nacht zum Samstag getötet worden sein.

Nachdem in der Nacht zum Samstag mindestens ein Mensch bei der Zerschlagung einer Demonstration auf dem Tahrir-Platz in Kairo getötet und über 70 weitere verletzte worden sind, wurden die Proteste gegen die Militärregierung dennoch auch am Sonntag fortgeführt. Dabei kam es zu den schwersten Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten seit den Protesten, die in Ägypten im Februar zum Rücktritt des ehemaligen Präsidenten Hosni Mubarak führten.

Die Bilder dieses Wochenendes auf dem Tahrir-Platz ähneln den Bildern vor zwei Monaten auf besorgniserregende Weise. Wie auch zu Beginn der Revolution in Ägypten ging das Militär mit Gewalt gegen die Demonstranten vor. Neben Wasserwerfern, Gummigeschossen und Tränengas wurde – unter anderem nach Angaben des Hamburger Abendblattes – auch mit scharfen Waffen gegen die Menschen vorgegangen. Die Militärregierung Ägyptens dementierte diese Angaben jedoch sofort. Zurückgewiesen wurde auch der Vorwurf, dass es bei der Räumung des Tahrir-Platzes am Samstag Todesopfer gegeben hat.

Die Menschen in Ägypten scheinen aus ihrem Sieg über den Despoten Mubarak jedoch bis heute Kraft zu ziehen. Nachdem sie gewaltsam vom Platz der Befreiung vertrieben worden waren, kehren viele von ihnen wenig später dorthin zurück und wiederholten ihre Forderung, der Vorsitzende der Übergangsregierung solle zurücktreten. Mohammed Hussein Tantawi ist der ehemalige Verteidigungsminister Ägyptens, der nun an der Spitze der militärischen Führungsriege steht, die Ägypten seit dem Rücktritt Mubaraks regiert. Er gehörte über 30 Jahre lang dem Regime des Despoten an. Mehrere hundert Demonstranten kündigten an, auf dem Tahrir-Platz auszuharren, bis ihre Forderungen erfüllt seien.

Einer weiteren Forderung der Demonstranten wurde am Sonntagabend allerdings bereits stattgegeben. Die ägyptische Staatsanwaltschaft gab bekannt, dass sich der Ex-Präsident Mubarak sowie einige Mitglieder seiner Familie in Kürze für die Vorwürfe der Korruption verantworten müssten. Mubarak soll Gelder veruntreut haben, um die Zerschlagung der Protestbewegung gegen ihn und sein Regime zu finanzieren.

Hosni Mubarak, der seit seinem Rücktritt zusammen mit seiner Familie im ägyptischen Badeort Scharm el-Scheich unter Hausarrest steht, meldete sich am Sonntag erstmals seit seinem Machtverlust wieder in der Öffentlichkeit zu Wort. Er bestritt in einer Ansprache, die im arabischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, sämtliche Vorwürfe, die gegen ihn erhoben worden sind.

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