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Südafrika: Anklage gegen Minenarbeiter vorerst zurückgezogen

Geschrieben von Eva Kauke   
Dienstag, 4. September 2012

Die Anklagen gegen 270 Minenarbeiter in Südafrika wegen Mordes an ihren Kollegen werden vorübergehend aufgehoben. Das gab die Staatsanwaltschaft in Pretoria am Sonntag bekannt. Bei einem Streik in einer Platinmine in der Nähe von Johannesburg waren Mitte August 34 Kumpel ums Leben gekommen. Erschossen wurden die Männer von Polizisten, die sich jedoch darauf beriefen in Notwehr gehandelt zu haben. Daher erfolgte nach südafrikanischem Gesetz die Anklage gegen zahlreiche Bergleute, die die Eskalation überlebt hatten. Sie sollen auf die Polizisten zugelaufen sein und dadurch deren Reaktion provoziert haben, so der Vorwurf.

Nicht nur in Südafrika, auch international sorgten diese Ereignisse für Entsetzen. Die Ausschreitungen beim Streik in der Marikana-Mine nahe Rustenburg waren die schlimmsten seit dem Ende der Apartheid Anfang der 1990er Jahre. Das Gesetz, nach dem die Bergleute wegen Mordes an ihren Kollegen angeklagt werden sollten, stammt noch aus dieser Zeit der institutionalisierten Rassentrennung und besagt, dass nach einem Schusswechsel, an dem die Polizei beteiligt war, alle weiteren anwesenden Personen festgenommen werden müssen. Laut Staatsanwaltschaft tragen die inhaftierten 270 Kumpel eine Mitschuld am Tod der 34 Bergleute, die die Polizei unter Berufung auf Notwehr erschossen haben.

Nicht zuletzt die Welle des Entsetzens, die die Anklage gegen die 270 Kumpel in der südafrikanischen Gesellschaft auslöste, dürfte die Staatsanwaltschaft dazu bewogen haben, diese vorerst auszusetzen. Bereits am Montag sollen die ersten Kumpel aus dem Gefängnis entlassen worden sein. Bis Donnerstag sollen alle Bergleute wieder auf freiem Fuß sein. Offiziell aufgehoben werden kann die Anklage laut der Anklagebehörde jedoch erst nachdem die Ermittlungen über den Vorfall in der Mine abgeschlossen sind. Erst am Samstag hatte Präsident Jacob Zuma ein Gesuch der Anwälte der Bergleute abgelehnt, diese freizulassen. Er wolle die Arbeit der Untersuchungskommission nicht behindern, hieß es in seiner Begründung.

Dass die Bergleute nun voraussichtlich vorerst aus dem Gefängnis entlassen werden heißt jedoch nicht, dass die Anklagen am Ende der Ermittlungen nicht erneut erhoben werden. Im Gegensatz zu den Bergleuten wurde gegen keinen der Polizisten, die bei der blutigen Eskalation des Streiks in der Platinmine beteiligt gewesen waren, bisher Anklage erhoben. Zwar wurden interne Untersuchungen eingeleitet, die jedoch voraussichtlich mehrere Monate dauern werden.

 

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