Tunesien: Ein künstlerischer Beitrag zur Identitätsfindung

tunesien.gif Im Nationalmuseum in Karthago werden derzeit Werke von zwanzig internationalen Künstlern ausgestellt. Zeitgenössische Kunst hatte während der Herrschaft des Diktators Ben Ali praktisch keinen Stellenwert in Tunesien. Die Ausstellung ist daher auch ein Zeichen für den Umbruch und für einen neuen Anfang.

Zwanzig internationale Künstler stellen ihre Werke derzeit in Tunesien aus. „Chkoun Ahna“ heißt die Ausstellung, die die erste ihrer Art seit der Revolution in Tuneisen vor gut eineinhalb Jahren ist. Die Ausstellung läuft im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Carthage Contemporary“, die noch bis Mitte Juni im Nationalmuseum Karthago angeboten wird. Neben der Ausstellung der künstlerischen Werke gibt es auch Diskussionen und ein Gallerie-Wochenende. Damit will das neue Tunesien nach dem Sturz des Diktators Ben Ali an die Kunstszene in Städten wie Berlin und New York anknüpfen. Während der Herrschaft des Diktators gab es in Tunesien praktisch keine Szene für zeitgenössische Kunst, geschweige denn einen Markt dafür.

Daher ist es auch ein Zeichen des Umbruchs, dass in einem Land wie Tunesien, in dem noch bis vor Kurzem praktisch kein Platz für moderne Kunst gewesen ist, eine internationale Ausstellung wie der im Nationalmuseum in Karthago stattfindet. Auch der Ort der Veranstaltung zeigt, dass der Stellenwert der Kunst in Tuneisen im Begriff ist sich zu verändern. Denn dieses Museum ist nicht nur eine der wichtigsten Touristenattraktionen des Landes, sondern auch Weltkulturerbe der UNESCO. Die Veranstaltung wurde sogar vom Tourismusministerium des Landes finanziell unterstützt. Wie die meisten anderen Länder in Nordafrika, in denen es eine Revolution gegeben hat, sucht auch Tunesien nach neuen Anziehungspunkten für Touristen, die von so zentraler Bedeutung für die Wirtschaft des Landes sind. Kulturtourismus statt Massentourismus heißt hier das neue Konzept. Auch der Name der Kunstausstellung ist Programm. Übersetzt heißt er so viel wie „wer sind wir“. Es geht nicht zuletzt auch um das Finden einer neuen Identität in Tunesien nach der Revolution.

Dass die Kunstausstellung im Nationalmuseum von Karthago so gut angenommen wird, sieht einer der Kuratoren darin begründet, dass die Menschen endlich etwas anderes aus Tunesien sehen wollen, als die chaotischen Bilder, die während und nach der Revolution in den internationalen Medien aus Tunesien gezeigt wurden.

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