Nordsudan greift Grenzregion im Südsudan an

suedsudan-s.gifFlugzeuge der nordsudanesischen Armee haben am Donnerstag Angriffe auf Ziele im Südsudan geflogen. Betroffen sei die Region Unity State, welche direkt an die bereits umkämpften Regionen Abyei und Southern Kordofan angrenzt, so ein Sprecher des südsudanesischen Militärs. Der Südsudan plant sich am 9. Juli für unabhängig zu erklären, der genaue Grenzverlauf zwischen Norden und Süden ist jedoch noch nicht endgültig geklärt.

Während die geplante Unabhängigkeit des Südsudan von den nördlichen Landesteilen am 9. Juli immer näher rückt, gewinnen auch die Kämpfe in den Grenzregionen an Intensität. Philip Aguer, der Sprecher der südsudanesischen Sudan Peoples’ Liberation Army (SPLA), beschuldigte heute die Streitkräfte des Nordens, wiederholt Luftangriffe auf eine Region südlich der geplanten Grenze geflogen zu haben.

Betroffen von den Angriffen ist die Region um Yau, die im Unity State gelegen ist, einer südsudanesischen Region, die direkt an der Grenze liegt. Bereits seit mehreren Wochen kommt es in der nördlich angrenzenden, umstrittenen Abyei-Region zu Auseinandersetzungen, nachdem Militäreinheiten des Nordens das Gebiet am 21. Mai besetzt hatten. Unity State grenzt außerdem auch noch südlich an die Region Southern Kordofan. Diese Region wird offiziell dem Norden zugerechnet, es Leben dort aber viele Anhänger des Südsudan, weshalb es auch dort seit zwei Wochen wieder verstärkt zu Gefechten gekommen ist.

Bei den Angriffen in Unity State wurden mindestens drei Menschen getötet, zehntausende Zivilisten flohen vor den Angriffen. Seit Beginn der erneuten Kämpfe in den strittigen Grenzregionen sind nach Schätzungen der Vereinten Nationen bereits bis zu 140.000 Menschen von dort geflohen, primär Richtung Süden. Die Regierung und das Militär des Südsudan nimmt die Situation sehr ernst und rüstet sich gegen eine Bodenoffensive.

Der Sprecher der SPLA, Aguer, sieht den Angriff des Nordsudans als Versuch, die im Unity State gelegenen Ölfelder unter Kontrolle zu bringen und mit Gewalt einen klaren Grenzverlauf auf Kosten des Südsudan zu schaffen. Ein erneutes Ausbrechen der Kämpfe würde den gesamten Unabhängigkeits- und Friedensprozess in Frage stellen. Die angestrebte Unabhängigkeit, für die Anfang des Jahres 99,8 Prozent der Südsudanesen gestimmt hatten, ist Teil des 2005 abgeschlossenen Friedensabkommens, mit dem Jahrzehnte des Bürgerkriegs beendet wurden.

Weder die Regierung noch das Militär des Nordsudan haben bisher eine Stellungnahme zu den jetzigen Angriffen verlauten lassen. Ein Reporter der BBC in Juba, der Hauptstadt des Südsudan, vermutet, dass die Angriffe nicht zwingend mit den Ölreserven zu tun haben müssen. Denkbar sei es auch, dass die Einheiten des Nordens südsudanesische Kämpfer verfolgen, die sich aus der Southern Kordofan Region über die Grenze in den Südsudan zurückgezogen haben.

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