Über 100 Tote Zivilisten in Sudans Abyei-Region

suedsudan-s.gifWährend der Besetzung der zwischen Nord- und Südsudan umstrittenen Grenzregion Abyei durch das Militär des Nordsudan sind ersten Zählungen zufolge an die hundert Menschen getötet worden. Das teilte Deng Arop Kuol, der Verwaltungschef der Region mit. Der Süden, der sich am 9. Juli offiziell für unabhängig erklären will, beansprucht die Region ebenso wie der Norden, der durch seine Militäraktion einen erneuten Ausbruch des Bürgerkriegs riskiert hat.

Einer ersten Zählung der offiziellen Behörden in der zwischen Nord- und Südsudan heftig umstrittenen Grenzregion Abyei zufolge, sind seit der Besetzung des Gebietes durch Einheiten aus dem Nordsudan vergangenen Monat über hundert Zivilisten getötet worden. Die Zahl der bei der Militäraktion getöteten Soldaten und Sicherheitskräfte ist weiterhin unbekannt.

Der Südsudan will sich am 9. Juli offiziell unabhängig erklären, bisher kam es jedoch noch zu keiner Einigung über den Verbleib der ölreichen Abyei-Region. Auch der restliche Grenzverlauf ist noch nicht endgültig geklärt. Die Regierung des Südsudan und die Vereinten Nationen haben wiederholt den sofortigen Abzug der Truppen aus der umstrittenen Grenzregion gefordert, die Regierung in Karthum, der Hauptstadt des Sudan, hat dieser Forderung bislang nicht folge geleistet.

Deng Arop Kuol, der Verwaltungschef der Abyei-Region teilte mit, dass während der Besetzungsaktion des nördlichen Militärs und bei Patrouillen in den darauf folgenden Tagen etwa hundert Menschen getötet worden seien. Eine endgültige Bestätigung mit Namen der Opfer gebe es allerdings noch nicht, so Kuol. Ein Sprecher der nördlichen Militäreinheiten stand nicht zur Stellungnahme zur Verfügung, aber ein hoher Regierungsbeamter aus dem Norden erklärte, dass die Armee keine Zivilisten angegriffen hätte.

Internationale Hilfsorganisationen warnen derweil vor einer humanitären Krise in der Region. Mehrere Zehntausend Menschen sind vor den Kämpfen und den anschließenden Plünderungen geflohen und sind nun ohne Heimat. Ein Großteil der betroffenen Menschen kämpft sich trotz der einsetzenden Regenzeit, die alle Straßen in Schlammpisten verwandelt, zu Fuß weiter nach Süden. Auskünften der Vereinten Nationen zufolge kam es in Abyei, der Bezirkshauptstadt der gleichnamigen Region, seit dem Einmarsch des Militärs zu zahlreichen Plünderungen.

Das Nachbarland Äthiopien hat angeboten, Friedenstruppen in die umstrittenen Grenzregionen zu schicken, wenn dies von beiden Seiten gewünscht wird. Die Vereinten Nationen und die Regierung des Südsudan unterstützen den Vorschlag, der Norden lehnt den Vorschlag ab. Die Regierung in Karthum unter Omar al-Baschir, der wegen Kriegsverbrechen in Darfur vom Internationalen Strafgerichtshof angeklagt ist, verlangt außerdem einen Rückzug aller UN-Blauhelme aus ihrem Gebiet ab dem Zeitpunkt der Unabhängigkeit des Südsudan.

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