Verheerende Folgen der Ölförderung im Niger-Delta

nigeria.gif Die Umweltschäden im Niger-Delta durch die jahrzehntelange Ölförderung sind weitaus verheerender als bisher angenommen. Das bestätigt ein Bericht des UN-Umweltprogramms, basierend auf einer 14-monatigen Studie. Besonders die Menschen in der Region Ogoniland sind aufgrund der verseuchten Natur stark gefährdet.

Nigeria zählt nicht nur in Afrika zu den größten Erdöllieferanten. Unter allen Ländern weltweit liegt Nigeria mit seinen Vorkommen an Erdöl auf Platz sechs. Die Förderung und der Export des wertvollen Rohstoffes ist seit Jahrzehnten der Motor der nigerianischen Wirtschaft. Die Menschen, die vom Ölreichtum in Nigeria profitieren, sind wenige. Die Menschen, die unter dem Geschäft mit dem schwarzen Gold leiden, dagegen Millionen.

Ein Bericht der Vereinten Nationen macht nun deutlich, wie verheerend die Ausmaße des Geschäfts mit dem Öl für Mensch und Natur in Nigeria tatsächlich sind. Ein Team des UN-Umweltprogramms (United Nations Environment Programme) untersuchte über vierzehn Monate lang die Folgen der Ölförderung im Niger-Delta, speziell im Gebiet Ogoniland. Die Ergebnisse der Untersuchung sind, gelinde gesagt, schockierend.

Böden, Gewässer, Luft und Grundwasser sind in weiten Teilen des Niger-Deltas verseucht. Unzählige Bewohner des Gebiets vergiften sich jeden Tag ein bisschen mehr, durch den Verzehr des von Benzol verunreinigten Wassers. Pflanzen und Tiere im Niger-Delta sind aufgrund der verheerenden Umweltschäden als Folge der Ölförderung höchst gefährdet. Wie auch die Menschen, die dort leben und sich von den Pflanzen und dem Fleisch der Tiere und vor allem den Fischen aus den kontaminierten Flüssen ernähren. Je näher ein Dorf oder eine Stadt an einer der Pipelines liegt, die sich allein in Ogoniland über 122 km durch die Landschaft ziehen, desto größer ist die Bedrohung für die Gesundheit der Einwohner.

Gründe für die massive Umweltverschmutzung sind unter anderem mangelnde Sicherheitsvorkehrungen, mangelnde Wartungsarbeiten und Versäumnisse bei der Reparatur leckender Pipelines durch die Betreiber Royal Dutsch Shell (RDS) sowie der staatlichen Ölgesellschaft NNPC. Aus maroden Pipelines tritt immer wieder Öl aus und verseucht weitere Gebiete.

Das Fazit des UN-Berichts klingt wenig hoffnungsvoll. Laut UN müsste im Niger-Delta die weltweit größte Aufräumaktion gestartet werden, um die Natur in diesem Gebiet zu retten. Geschätzte Dauer 30 Jahre, geschätzte Kosten – allein in den ersten fünf Jahren – eine Milliarde US-Dollar. Das UN-Umweltprogramm schlug die Einrichtung eines Sonderfonds vor, in den die nigerianische Regierung sowie die internationalen Ölkonzerne den Betrag von 1 Milliarde US-Dollar für die notwendigen Maßnahmen der ersten fünf Jahre einzahlen sollen.

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