Wahlverzögerungen in Nigeria

nigeria.gifAufgrund massiver logistischer Probleme konnten die Parlamentswahlen in Nigeria nicht wie geplant vergangenen Samstag stattfinden. Dadurch verschieben sich auch die Präsidentschafts- und Gouverneurswahlen nach hinten. Da in vielen Regionen des 150 Millionen Einwohner starken Landes am Tag der Abstimmung keine Wahlzettel vorhanden waren, musste die Unabhängige Wahlkommission die Wahlen abbrechen. Viele Bürger sind deshalb frustriert und enttäuscht.

Eigentlich sollte in Nigeria am vergangenen Samstag ein neues Parlament gewählt werden und in den darauf folgenden Wochen auch ein neuer Präsident sowie Gouverneure für die einzelnen Landesteile. Die Wahl musste jedoch in letzter Minute abgebrochen werden, da in vielen Landesteilen die notwendigen Wahlunterlagen nicht rechtzeitig eintrafen. Zu einer zweiten Verzögerung kam es nun, da bereits benutzte Wahlzettel neu gedruckt werden mussten. Die Parlamentswahlen sollen nun definitiv am kommenden Samstag abgehalten werden.

Das logistische Desaster droht nun die Wahl anfechtbar zu machen, da viele Menschen extra für die Abstimmung eine weite Anreise in Kauf genommen hatten und es sich nun kein zweites Mal leisten können, in ihren Wahlbezirk zu reisen. Nigerias noch amtierender Präsident und aktueller Favorit in den Prognosen, Goodluck Jonathan, erklärte am Donnerstag in einer nationalen Ansprache, dass er die Frustration und Enttäuschung der Menschen über das Wahldebakel gut nachvollziehen kann. Er rief alle Nigerianer dazu auf, trotzdem am kommenden Samstag erneut in Massen zu den Wahllokalen zu strömen und wies auf die Wichtigkeit freier und fairer Wahlen hin.

Erst vor einem Jahr war Attahiru Jega zum Vorsitzenden der Unabhängigen Wahlkommission des westafrikanischen Landes ernannt worden. Die bisherigen Abstimmungen in dem mit 150 Millionen Einwohnern bevölkerungsreichsten Land Afrikas waren zuletzt immer von Korruptions- und Betrugsvorwürfen überschattet – Jega sollte für Ordnung sorgen. Auch deshalb ist die jetzige Wahl eine wichtige Beweisprobe für das Land.

Umfragen zufolge wollen 62 Prozent der Nigerianer bei den Präsidentschaftswahlen für Goodluck Jonathan stimmen, für seinen stärksten Konkurrenten, den ehemaligen Militärführer Muhammadu Buhari etwa 23 Prozent. Sollte es Jonathan gelingen in der ersten Wahlrunde in zwei Drittel der Provinzen mindestens 25 Prozent der Stimmen auf sich zu vereinen, bleibt ihm eine Stichwahl erspart.

Es ist also wahrscheinlich, dass sich der amtierende Präsident trotz der Verzögerungen gegen seine Konkurrenten durchsetzen wird. Die Umfragen haben aber auch gezeigt, dass die herrschende People’s Democratic Party (PDP) bis zu sieben Gouverneursposten verlieren könnte, was ihren enormen Einfluss auf die nigerianische Politik empfindlich schwächen würde.

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