Chaotische Wahlvorbereitungen in Nigeria

nigeria.gifIn Nigeria sollen innerhalb der nächsten fünf Monate Präsidentschaftswahlen abgehalten werden. Bisher gibt es jedoch weder einen festen Termin, noch eine Liste der Kandidaten und auch eine Wählerliste gibt es nicht. Wie viele der 150 Millionen Menschen wählen dürfen ist unklar. Die Hoffnungen ruhen auf Attahiru Jega, einem unabhängigen und besonnenen Akademiker, der die Leitung der Unabhängigen Nationalen Wahlkommission Nigerias übernommen hat.

Herr Jega steht vor einer – wie er es selbst nennt – Herkulesaufgabe und das ist bereits euphemistisch ausgedrückt meinen die Kritiker. Attahiru Jega ist der Vizekanzler der Bayero-Universität in Kano, Nigeria. Momentan hat der besonnene Akademiker jedoch noch einen Nebenjob, der ihm einiges an Kopfzerbrechen bereitet: Er soll die kommenden Wahlen in Nigeria organisieren.

Innerhalb der nächsten fünf Monate wird es in Nigeria wahrscheinlich eine Präsidentschaftswahl geben, einen genauen Termin gibt es bisher nicht. Darüber hinaus gibt es auch keine Liste mit aufgestellten Kandidaten für das Amt des Präsidenten und – noch problematischer – auch keine brauchbaren Wählerlisten.

Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas und niemand kann genau sagen, wie viele der 150 Millionen Menschen wählen dürfen. Herr Jega, der neue Präsident der Unabhängigen Nationalen Wahlkommission Nigerias, muss es schaffen, bis spätestens Anfang Dezember schätzungsweise 70 Millionen Menschen zu registrieren.

Dazu bedarf es entsprechender Registrierungsmaschinen mit Kamera, Fingerabdrucksystem und Laptops, die an die 120.000 Wahlstationen im Land geschafft werden müssen. Außerdem müssen 360.000 Personen (drei pro Registrierungsmaschine) im Umgang mit den Geräten geschult werden und das alles in einem Land, in dem abgelegene Regionen nur schwer mit dem Auto erreicht werden können und es in vielen Gegenden keine Elektrizität gibt.

Erschwert wird das Vorhaben des unabhängigen Akademikers Jega dadurch, dass die Unabhängige Nationale Wahlkommission, der er vorsteht, bisher ihrem Namen in keiner Weise gerecht wird. Sie ist weder unabhängig noch national, sondern leidet unter Korruption und dem Einfluss lokaler Politiker, die für ihre Zwecke Wählerlisten fälschen oder ganze Wahlurnen stehlen und austauschen lassen. Die bisherigen Wählerlisten sind voll mit den Namen von Toten, Kindern, Berühmtheiten, Mehrfachnennungen oder anderen kreativen Einfällen der Politiker, die sich dadurch einen Vorteil verschaffen wollen.

Sollte es Herr Jega gelingen, alle Probleme zu lösen und eine Wahl zu organisieren, die den internationalen Standards entspricht, so wäre dies die erste wirklich faire Wahl in Nigeria. Aufgrund der Unstimmigkeiten bei den Wahlen in den letzten elf Jahren kam es immer wieder zu Auseinandersetzungen und Machtkämpfen in dem ölreichen Land.

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