Zahlreiche Verletzte bei Protesten in Marokko

marrokko.gifIn Marokko kam es am Sonntag in Rabat, Casablanca, Fes, Tanger und einigen weiteren Städten des Landes zu nicht genehmigten Demonstrationen, gegen die die Sicherheitskräfte mit Gewalt vorgingen. Die Demonstranten, die offen die Königsfamilie kritisierten und mehr Freiheit sowie Demokratie forderten, wurden von den Polizisten mit Knüppel auseinander getrieben. Zahlreiche Menschen wurden dabei zum Teil schwer verletzt.

In mehreren großen Städten Marokkos fanden am Sonntag nicht genehmigte Demonstrationen statt, die von den Sicherheitskräften mit Gewalt konsequent unterbunden wurden. Bei den Auseinandersetzungen wurden zahlreiche Menschen zum Teil schwer verletzt. Bereits seit Februar kommt es in Marokko, inspiriert von den Aufständen in Tunesien, Ägypten und Libyen immer wieder zu Protesten, die bisher zumeist friedlich verliefen.

Das harte Vorgehen der Polizeikräfte gegen die Protestierenden deutet auf eine neue, striktere Regierungslinie bezüglich des Umgangs mit der immer direkter werdenden Protestbewegung hin. Die Slogans der Demonstranten richten sich nun auch offen gegen den Makhzen, den marokkanischen Königshof. In Casablanca skandierten die Menschen: „Makhzen verschwinde. Nieder mit der Diktatur“.

Die Polizei ging in Casablanca, Rabat, Fes, Tanger und anderen großen Städten mit Schlagstöcken gegen die Menschen vor und unterband mit Gewalt die Ansammlung größerer Menschenmassen. Nach Auskunft eines höheren Polizeibeamten, der namentlich nicht genannt werden will, hätten die Sicherheitskräfte den Auftrag erhalten, die generelle Ordnung zu erhalten und die unautorisierten Proteste zu verhindern.

Drei führende Mitglieder der Protestbewegung in Fes sind nach Auskunft von Fathallah al-Hamdani, ebenfalls ein Demonstrant, in einem „sehr kritischen Zustand“. Auch in Rabat, der Hauptstadt Marokkos, wurde ein Anführer der Bewegung schwer verletzt. Dort wurden auch Anhänger der Menschenrechtsorganisation AMDH (Morrocan Association for Human Rights) von Polizisten verprügelt, als sie vor der Polizeiwache die Freilassung von 13 Mitgliedern ihrer Organisation forderten.

Brutal gingen die Sicherheitskräfte auch gegen Demonstranten vor, die versuchten, vor dem Parlament in Rabat zu kampieren. Die Obrigkeit will um jeden Preis verhindern, dass sich Ereignisse, wie sie in Kairo zu beobachten waren, im eigenen Land wiederholen. In Ägyptens Hauptstadt hatten Demonstranten wochenlang den wichtigen Tahrir-Platz belagert und so schlussendlich zum Sturz der Regierung beigetragen.

Marokko galt lange Zeit als das moderateste und stabilste Land unter den nordafrikanischen Maghreb Staaten, zu denen auch noch Libyen, Tunesien und Algerien zählen. Allerdings hat Marokko auch das geringste Bruttoinlandsprodukt pro Kopf und fast die Hälfte der insgesamt 32 Millionen Einwohner sind Analphabeten.

Die Königsfamilie herrscht in Marokko bereits seit dem 17. Jahrhundert und hat sowohl die französische Kolonialzeit als auch die darauf folgende Ära der Unabhängigkeit überstanden. In Reaktion auf die früheren Proteste hat König Mohammed VI. im März eine Änderung der Verfassung angekündigt, wodurch mehr demokratische Mitsprache ermöglicht werden soll. Die Ergebnisse der mit dieser Aufgabe beauftragten Kommission werden für nächsten Monat erwartet.

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