Mali: Putschisten ohne Unterstützung

mali.gifNach dem Militärputsch in Mali ist die Lage in der Hauptstadt Bamako teilweise unruhig. Die Benzinpreise verdoppelten sich, nachdem es zu Plünderungen an Tankstellen durch Soldaten kam, die jedoch nach einem Aufruf des Anführers der Putschisten, Amadou Sanogo, weitestgehend wieder eingestellt wurden. Mitglieder der Afrikanischen Union bestätigten derweil, dass der gestürzte Präsident Touré wohlauf ist und sich noch immer im Land befinde.

Nach dem Sturz der Regierung durch Teile des Militärs in Mali in der Nacht auf Donnerstag ist die Lage in dem nordafrikanischen Land weiterhin unruhig. In der Hauptstadt Bamako plünderten Soldaten Tankstellen und beschlagnahmten Autos. Die Benzinpreise verdoppelten sich über Nacht und viele Bürger trauten sich am Freitag aus Angst vor Überfällen nicht mehr auf die Straße. Ein Aufruf des Anführers der Putschisten, Amadou Sanogo, die Plünderungen umgehend einzustellen zeigte jedoch Wirkung und am Abend beruhigte sich die Lage auf den Straßen Bamakos.

Unklar ist derweil noch immer, wo genau sich der gestürzte Präsident des Landes, Amadou Toumani Touré, aufhält. Informationen aus verschiedenen Quellen bestätigen jedoch einheitlich, dass der Präsident wohlauf ist, sich vermutlich in der Nähe der Hauptstadt versteckt hält und von der gut ausgebildeten Präsidentengarde bewacht wird. Jean Ping, der Vorsitzende des Friedens- und Sicherheitsrates der Afrikanischen Union (AU), bestätigte diese Informationen.

Putschistenführer Sanogo beteuerte in einer Fernsehansprache, dass er nicht an der Mach festhalten werde, sondern diese wieder baldmöglichst an eine demokratisch gewählte Regierung abgeben werde. Als Grund für die Meuterei nannte er die Tatsache, dass die Armee nicht genügend Mittel zur Bekämpfung der von den Tuareg angeführten MNLA-Rebellen im Norden Malis zur Verfügung habe. Die Soldaten seien schlecht ausgebildet und noch dazu schlecht bewaffnet, was dazu führe, dass viele Soldaten in den Kampfhandlungen ums Leben kommen. Sobald dieser Missstand beseitigt ist, werde er Neuwahlen veranlassen, so Sanogo.

Die Kämpfer der MNLA (Mouvement National pour la Libération de l’Azawad) nutzten gestern die chaotische Situation in Bamako und setzten im Norden Malis ihren Vormarsch fort. Ziel der Rebellen ist es, die nördlichsten drei Regionen Malis, die sich im Bereich der Sahara erstrecken und nur spärlich besiedelt sind, unter ihre Kontrolle zu bringen. Bisher haben sich die Tuareg aber darauf beschränkt, abgelegene Dörfer einzunehmen, die regionalen Zentren Timbuktu und Gao sind noch immer unter der Kontrolle der Regierung.

In der Hauptstadt Bamako fehlt es den Putschisten unterdessen an Unterstützung. Zehn Parteien, darunter auch die im Parlament stärkste Kraft, die ADEMA, verurteilten die gewaltvolle Machtübernahme und sprachen in ihrer gemeinsam unterzeichneten Erklärung von einem „enormen Rückschlag für die Demokratie“. Ausländische Geberländer, darunter auch die Europäische Union, haben mittlerweile alle Hilfeleistungen an das Land eingefroren.

Die AU hat Mali vorübergehend suspendiert. Die westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft ECOWAS hat eine Zusammenarbeit mit der Junta ausgeschlossen und auch die Afrikanische Entwicklungsbank hat ihre Zahlungen ausgesetzt.

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