Smarte Handys als Smartphone-Ersatz

kenia.gifIn den meisten afrikanischen Ländern ist man noch weit von einer flächendeckenden Internetversorgung, die Voraussetzung für zahlreiche Smartphone-Programme ist, entfernt. Firmen und Wissenschaftler setzen daher auf die Entwicklung von Programmen, die auch mit einfachen Handys genutzt werden können und erreichen so die breite Masse der Afrikaner.

Während in Deutschland der Anteil an Smartphones auf dem Handymarkt rasant wächst, hält sich deren Verbreitung in fast allen afrikanischen Ländern noch stark in Grenzen. Das hat mehrere Gründe: Zum einen sind Smartphones deutlich teurer als einfach Handys und zum anderen – und das ist unter Umständen noch entscheidender – benötigen viele Programme der „smarten“ Telefone eine Internetverbindung.

Während die Netzabdeckung in den meisten afrikanischen Ländern mittlerweile sehr gut ausgebaut ist und Handys nahezu ubiquitär sind, sind viele Länder noch meilenweit von einer flächendeckenden Internetversorgung entfernt. In Simbabwe ist beispielsweise erst auf zwei bis drei Prozent der Landesfläche eine Internetversorgung gewährleistet. Die Entwicklung von Programmen, die auf das Internet angewiesen sind, ist für den afrikanischen Markt deshalb bislang nicht lohnend.

Viele Firmen und Forschungseinrichtungen schlagen deshalb einen anderen Weg ein, und treiben die Entwicklung von SMS-basierten Programmen voran, die mit jedem noch so einfachen Handy genutzt werden können. In Kenia erfreut sich zum Beispiel das Programm M-Pesa großer Beliebtheit. Es wurde dazu entwickelt, die Rückzahlung von Mikrokrediten zu vereinfachen. Mittlerweile wird es aber auch für alle möglichen andere Zwecke verwendet.

Kenianer, die auf Reisen nicht gerne große Geldsummen mit sich führen, schicken sich das Geld in Form von Guthaben an ihren Zielort, wo sie es sich wieder ausbezahlen lassen können. Auch bei Spendenkampagnen lässt sich das Tool einsetzen. Für die Opfer der aktuellen Dürre in Ostafrika haben viele Menschen mit einer einzigen SMS Gesprächsguthaben auf ein Spendenkonto überwiesen.

Am Imperial College in London wurde das Programm EpiCollect entwickelt, das die Sammlung räumlicher Daten vereinfacht. Kenianische Veterinäre nutzen es mittlerweile zur Seuchenüberwachung und Kartierung von Impfmaßnahmen. Die Daten werden per SMS übermittelt und können dann auf einer Karte räumlich in Bezug zueinander gesetzt werden. Das Ausbrechen von Seuchen kann auf diese Weise auch in ländlichen Gebieten schneller erfasst und bekämpft werden.

Weitere Anwendungen für einfache Mobilfunkgeräte ermöglichen es beispielsweise den Menschen in Ostafrika im Vorfeld abzuklären, in welcher der nächstgelegenen Kliniken ein benötigtes Medikament vorhanden ist oder haben in Nigeria bei der Überwachung der letzten Wahlen geholfen. Auch ohne „smarte“ Telefone können also eine Menge Ideen für eine Vielzahl der Menschen zugänglich gemacht und auf einfache Weise umgesetzt werden.

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