Rollis für Afrika e.V.

Organisation:Rollis für Afrika e.V.
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Tätigkeitsfeld:Verbesserung der Lebensumstände von Menschen mit Behinderung
Land:Senegal
Kontakt:Kirschgartenstrasse 33
69126 Heidelberg
info@rollis-fuer-afrika.de
Website:www.rollis-fuer-afrika.de
Ansprechpartner:Estevan Toubape

 

Die Organisation:

Rollis für Afrika e.V. ist eine Initiative zur Verbesserung der Lebensumstände für Menschen mit Behinderung in Afrika. Der Verein hat sich zur Aufgabe gemacht, diesen Menschen eine Teilnahme am gesellschaftlichen Alltag, Schul- und Arbeitsleben zu ermöglichen. Das oberste Ziel ist deren Rehabilitierung durch eine Grundversorgung mit Hilfsmitteln.

Wir sammeln Rollstühle und Gehhilfen in Deutschland, welche wir einmal jährlich nach Dakar verschiffen, um sie im gesamten Land zu verteilen. Seit 2003 wurden mehr als 1.300 Rollstühle, Gehilfen und andere orthopädische Hilfsmittel in den Senegal gebracht und dort verteilt.

Estefan Toubape, selbst an Muskelatrophie erkrankt, gründete 2003 den Verein mit dem Hauptgedanken, die Vorteile, die ihm ein Leben in Deutschland ermöglicht, sinnvoll zu nutzen. Die Reportage "Rollis für Afrika – Ein Rollstuhl, ein Leben!" von Sebastian Georgi und Markus Henssler, die neben der Vorstellung der Vereinsarbeit Estevans Leben portraitiert, erhielt 2010 den Journalistenpreis der Robert-Bosch-Stiftung.

Fahrrad Wagen Frau im Rollstuhl Hilfe für einen Patienten

Erfahrungsbericht aus dem Senegal

Senegal, Dakar, Guédiawaye im Februar – März – April 2011. Eine Gruppe altruistisch geprägter junger Menschen schlägt ihr Lager auf. Ein Kommen und Gehen, ein Verbleiben für unterschiedliche Zeitspannen in dem westafrikanischen Land, in dem sich Moderne und Tradition die Hand reichen, sich gegenseitig belächelnd gegenüber stehen.

Sie alle haben eine Aufgabe. Es gilt ein Lager zu finden, zu verwalten und vor nimmersatten Ziegen und Schafen zu schützen. Kontakte müssen hergestellt, Termine vereinbart, Menschen getroffen, interviewt und physiotherapeutisch untersucht werden. Unliebsame Zöllnermentalitäten im Hafen von Dakar werden mit heroischer Geduld überwunden. Es wird ausgeladen, sortiert, repariert, erneut beladen. Entscheidungen müssen getroffen werden, Hilfsmittel und Menschen zusammengeführt. Nebenbei muss alles dokumentiert werden, kontrovers zu betrachtende neue Medien ermöglichen eine minutziöse Informationsübermittlung nach Deutschland.

Freiwillige der deutschen Sektion Rollis für Afrika e.V. erwarten den jährlichen Container mit rund 300 Hilfsmitteln, vor allem Rollstühle und Gehhilfen, im Senegal um diese letztendlich mit Unterstützung der senegalesischen Sektion des Vereins im ganzen Land zu verteilen. Infrastrukturell ist das Gesundheitssystem Senegals schlecht bis gar nicht entwickelt. Der modernen, pulsierenden und stetig ins scheinbar unermessliche wachsende Metropole Dakar stehen vergessene 20-Seelen-Dörfer gegenüber, deren Grundlage Subsistenzwirtschaft und Viehzucht darstellen. Die dort in runden Lehmhütten lebenden Familien haben so gut wie keinen Zugang zu einer adäquaten Gesundheitsversorgung und auch in den urbanen Zentren profitieren nur bestimmte Schichten davon. Medizin kostet und das Geld haben die meisten nicht.

Dabei könnten durch präventive Maßnahmen, beispielsweise einem ausreichendem Impfschutz gegen Polio, die meisten Erkrankungen vermieden werden. Im Wege steht dem nicht einzig ein Mangel an materiellen und medizinischen Ressourcen sondern zugleich eine weitestgehende Tabuisierung der Thematik „Behinderung“ in der senegalesischen Gesellschaft. Menschen mit Behinderung werden so oftmals vom gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen. Deren Integration durch eine Grundversorgung mit Hilfsmitteln ist das oberste Ziel von Rollis für Afrika e.V.. Ich war eine der Freiwilligen, die zwei Monate mit der Hilfsorganisation im Senegal war.

Helferin mit Kind Patienten im Rollstuhl Rollis für Afrika Banner

In dieser Zeit traf ich viele Menschen und wurde mit zahlreichen Schicksalen und Lebensentwürfen konfrontiert. Darunter Lamine Dione, 28 Jahre alt. Ich besuchte ihn Mitte März in seinem Elternhaus in der Nähe von Thiés. Weshalb ihr Sohn nie richtig laufen konnte ist den Eltern nicht klar. Nach unserem Ermessen handelt es sich um eine in der frühen Kindheit aufgetretenen Polio- Erkrankung, die leider nie behandelt wurde. Lamines Knie sind stark angeschwollen, die Haut die sie umgibt gleicht der eines Elefanten, ledern, rauh und rissig von dem ständigen Kontakt mit dem Boden. Dennoch scheint diese Körperpartie nicht völlig schmerzresistent, denn durch den von der sengenden Sonne erhitzten Sand kann Lamine sich nicht fortbewegen. Aus diesem Grund verlässt er bereits vor Sonnenaufgang das Haus und kehrt erst in der Dämmerung zurück. Sein Beruf: betteln!

Vielmehr hat er nicht gelernt. Seine Eltern schickten ihn auf eine Daara, eine der zahlreichen Koranschulen, die in der senegalesischen Gesellschaft hinsichtlich religiös-traditioneller Verankerung aber teilweise leider auch aufgrund finanzieller Faktoren breiten Zulauf finden. An diesen Schulen, die neben den staatlichen Lehranstalten existieren und mit Ausnahme einiger moderner Daaras jeglicher staatlicher Kontrolle entbehren, macht ein Marabout seine Schüler, die Talibé, die zumeist unter zwölf Jahre alt sind und sich einzig aus Jungen zusammensetzten, mit dem Koran vertraut. In Lamines Fall stellt sich hierbei die arabische Sprache an die Seite des mittelalterlichen Lateins Europas: „Er kann Arabisch lesen und schreiben, aber nicht verstehen“, so sein Vater. Trotzdem ist das ganze Land überzogen von jungen Männern die Verse nuschelnd vor ihren heiligen Büchern im Sand kauern.

Lamine hofft, dass sein neuer Rollstuhl ihm dabei helfen wird einen kleinen Laden zu eröffnen. Er möchte seine Familie entlasten und sich selbst versorgen können. Das ist sein Traum. Und mit viel Glück eine Frau finden und eine eigene Familie gründen.

Mama Afrika Patient im Rollstuhl Wartende Patienten beim Arzt