Erneut Gewalt in Ägypten – Polizei löst Protestcamp auf

aegypten.gif Die Polizei hat das Protestcamp auf dem Tahrir-Platz in Kairo am Montag gewaltsam aufgelöst. Mehrere hundert Menschen hatten dort über einen Monat lang ausgeharrt, unter anderem um für eine schnellere Umsetzung der Reformen zu demonstrieren. Die Sicherheitskräfte gingen mit Schlagstöcken gegen die Aktivisten vor und feuerten Warnschüsse ab. Mehrere Menschen sollen bei der Räumungsaktion verletzt und zahlreiche weitere festgenommen worden sein.

Etwa einen Monat lang campierten mehrere hundert Demonstranten auf dem Tahrir-Platz in Ägyptens Hauptstadt Kairo. Mit dieser Protestaktion wollten die hauptsächlich jungen Menschen ein Zeichen setzen, dass sie mit der Regierungsführung der vom Militär gestellten Übergangsregierung nicht einverstanden sind. Sie verlangten unter anderem die schnellere Umsetzung von demokratischen Reformen sowie ein gezielteres Vorgehen und genauere Ermittlungen gegen die Polizisten und Armeemitglieder, die für den Tod von rund 800 Demonstranten während des Aufstandes gegen den ehemaligen Präsidenten Hosni Mubarak zu Beginn dieses Jahres verantwortlich sind. Viele der Menschen, die auf dem Tahrir-Platz ausharrten, waren direkte Angehörige von Menschen, die während der Proteste gegen Mubarak getötet worden sind.

Am Montag hat die Polizei in Ägypten das Protestcamp nun gewaltsam aufgelöst, nachdem die Demonstranten den Aufforderungen nicht nachgekommen waren, den Platz freiwillig zu räumen. Augenzeugenberichten zufolge waren mehrere hundert Polizisten im Einsatz. Sie kamen in gepanzerten Fahrzeugen und rissen die Zeltstätten nieder. Mit Schlagstöcken sollen sie die Demonstranten vertrieben haben. Auch Warnschüsse wurden abgefeuert. Die Aktivisten reagierten ebenfalls mit Gewalt gegen die Räumungsaktion der Sicherheitskräfte und bewarfen diese mit Steinen. Wie viele Menschen bei den neuesten Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten in Ägypten verletzt worden sind, ist bisher nicht bekannt. Dass es Verletzte gab, steht jedoch fest. Zudem berichteten Augenzeugen von zahlreichen Festnahmen.

Alle Anzeichen sprechen dafür, dass Ägypten noch einen langen Weg vor sich hat, bis Ruhe und Frieden im Land einkehren werden. Erst am Freitag hatten sich zehntausende Anhänger islamistischer Gruppen auf dem Tahrir-Platz versammelt, um für die Errichtung eines islamischen Gottesstaates und die Einführung der Scharia in Ägypten zu demonstrieren. Es blieb zwar friedlich an diesem Freitag, doch ein Grund zur Freude war diese Versammlung für die Anhänger der Demokratiebewegung mit Sicherheit nicht.

Einen wichtigen Einfluss auf die Lage in dem nordafrikanischen Land wird auch der Verlauf des Prozesses gegen den ehemaligen Diktator Hosni Mubarak haben, dessen Rücktritt die Massenproteste zu Beginn des Jahres zur Folge hatten. Der Prozess gegen Mubarak, wegen Anstiftung zum Mord an den Demonstranten und Amtsmissbrauch, soll am Mittwoch den 3. August in Kairo beginnen.

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