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Ex-Präsident und „Kaiser“ Jean-Bedel Bokassa rehabilitiert

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Samstag, 4. Dezember 2010

Der ehemalige Präsident und selbsternannte Kaiser der Zentralafrikanischen Republik, Jean-Bedel Bokassa, ist durch einen Erlass des amtierenden Präsidenten posthum vollständig rehabilitiert worden. Francois Bozize, der seit 2003 an der Macht ist, verkündete den Erlass im Rahmen der Feierlichkeiten zur 50-jährigen Unabhängigkeit des Landes und gab Bokassa damit „all seine Rechte“ zurück.

Jean-Bedel Bokassa herrschte über 14 Jahre als grausamer Despot über das arme Binnenland, bevor er 1979 aus dem Amt gejagt wurde. Bokassa selbst hatte sich 1965 an die Macht geputscht und war weit über die Grenzen der Zentralafrikanischen Republik berüchtigt für sein gnadenloses Vorgehen gegen Oppositionelle und Gegner des Regimes. Ihm wurde mehrmals vorgeworfen, dem Kannibalismus zu frönen und Systemgegner in seinem Privatzoo an Löwen und Krokodile zu verfüttern.

1976 ging Jean-Bedel Bokassa noch einen Schritt weiter und krönte sich in einer pompösen Zeremonie selbst zum Kaiser. Gestürzt wurde „der Kaiser“ schließlich 1979, nachdem seine Wachen eine Menge Schulkinder bei Protesten in der Hauptstadt Bangui erschossen. Die Schüler demonstrierten gegen Bokassas Ankündigung, dass es im ganzen Land nur noch eine einheitliche, von einer Firma produzierte, teure Schuluniform geben sollte. Die produzierende Firma gehörte zufällig einer von Bokassas 17 Ehefrauen. Nachdem die Soldaten des Präsidenten viele Kinder erschossen hatten, entlud sich der aufgestaute Hass der Bevölkerung auf der Straße an einer riesigen Statue des Kaisers und auch der Machthaber selbst wurde kurz darauf gestürzt.

Die ehemalige Kolonialmacht Frankreich unterstützte Jean-Bedel Bokassa trotz seines despotischen Auftretens die meiste Zeit. Bokassa wurde wegen Mord und Untreue zum Tode verurteilt und verbrachte fünf Jahre im Gefängnis, bevor er 1996 an einem Herzinfarkt starb. Nun lobte ihn der amtierende Präsident Francois Bozize, der sich selbst 2003 an die Macht geputscht hat, als eine Person, „der Menschlichkeit sehr wichtig war“.

Während Bozize der Witwe Bokassas, Catherine, die Ehrenmedaille der Republik verlieh, lobte er den Diktator außerdem als „Sohn der Nation, der von allen als großer Erbauer geschätzt wird“. Trotz der Tatsache, dass Jean-Bedel Bokassa gnadenlos regierte, gab es in den letzten Jahren zunehmend Stimmen aus dem konservativen politischen Spektrum, die seine Rehabilitierung forderten und mit Wehmut auf die Stabilität und die nationale Einheit zu Zeiten Bokassas verweisen. Für das Leid und den Preis, mit dem diese Stabilität damals erkauft wurde, interessieren sich diese Politiker scheinbar wenig.

 




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