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Erneut Tote bei Unruhen in Tunesien

Geschrieben von Eva Kauke   
Montag, 7. Februar 2011

Am Wochenende kam es in Tunesien erneut zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und der Polizei. Am schlimmsten betroffen war die Stadt Kef im Nordwesten des Landes. Demonstranten hatten am Samstag das Hauptquartier der örtlichen Polizei geplündert und anschließend in Brand gesetzt. Die Beamten waren zuvor mit Schusswaffen gegen die etwa 1000 Protestanten vorgegangen, wobei vier Menschen getötet und mindesten fünfzehn weitere verletzt wurden. Wie die tunesische Nachrichtenagentur TAP berichtete, versammelten sich am Sonntag erneut Demonstranten am Polizeihauptquartier in Kef. Weitere gewalttätige Übergriffe von dort wurden bisher nicht gemeldet.

Auslöser des Aufruhrs soll der Chef der Polizei in Kef gewesen sein, der Augenzeugenberichten zufolge eine Frau geschlagen haben soll. Die Menge verlangte die Entlassung des Polizeichefs, den sie außerdem beschuldigte, Amtsmissbrauch zu begehen. Die Berliner Zeitung berichtet heute, dass der Mann inzwischen festgenommen worden ist.

Die hauptsächlich jugendlichen Protestanten in Kef sollen neben dem Angriff auf die Polizeiwache außerdem versucht haben, das örtliche Gefängnis zu stürmen und die Insassen zu befreien. Die Armee konnte sie jedoch erfolgreich daran hindern. Neben dem Gefängnis bewacht die Armee seit den neuesten Übergriffen auch die Regierungsgebäude der Stadt mit verstärktem Aufgebot.

Ein weiterer Toter vom Wochenende wurde aus der Stadt Kebili im Süden Tunesiens gemeldet. Der Mann wurde während einer Demonstration durch einen Tränengaskanister der Polizei tödlich verletzt. In Kebili gingen die Menschen auf die Straße, um gegen den neu ernannten Gouverneur zu protestieren.

Auch in zahlreichen weiteren Städten Tunesiens kam es im Laufe des Wochenendes zu Demonstrationen mit teilweise gewaltsamem Ausgang. Der Innenminister des Landes, Fahrat Rajhi, reagierte am Sonntag auf die sich zuspitzende Sicherheitslage und verkündete die vollständige Auflösung der RCD, der Partei des Mitte Januar aus Tunesien geflüchteten Präsidenten Ben Ali. Sämtliche Büros der Partei sollen geschlossen werden und jegliche Form von Versammlung der Anhänger der RCD sind seit gestern untersagt. Mit dieser Maßnahme will der Innenminister einen weiteren Ausbruch von Chaos in Tunesien verhindern.

 




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