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Tunesischer Islamistenführer zurück in der Heimat

Geschrieben von Eva Kauke   
Montag, 31. Januar 2011

Nach 22 Jahren im Exil kehrte Sheikh Rachid Ghannuchi, der Führer der islamistischen Bewegung Ennahda, gestern in seine Heimat Tunesien zurück. Am Flughafen in der Hauptstadt Tunis wurde er am Mittag von mehreren tausend Anhängern der Bewegung unter großem Jubel empfangen. Mehrere Duzend Menschen protestierten gleichzeitig gegen die Heimkehr des islamistischen Führers.

Möglich wurde die Rückkehr Rachid Ghannuchis aufgrund der Generalamnestie für Oppositionsparteien und deren Mitglieder, die die tunesische Übergangsregierung am 20. Januar bekannt gab. Der kürzlich vertriebene Präsident Tunesiens, Ben Ali, hatte den heute 69-jährigen im Jahr 1989 aufgrund seiner politischen Ansichten zu lebenslanger Haft verurteilt. Rachid Ghannuchi gelang vor seiner Festnahme allerdings die Flucht nach England, wo er seither im Exil lebte.

Rachid Ghannuchi war 1981 maßgeblich an der Gründung der Ennahda-Partei beteiligt. Vor zwanzig Jahren hatte die Ennahda durchaus Einfluss in Tunesien, was heute allerdings anders beurteilt wird. Islamische Bewegungen haben derzeit keine große Bedeutung in der Politik des Landes. In den Protesten der vergangenen Wochen spielten sie nach außen hin keine Rolle. Wie groß das Interesse der Bevölkerung an einer islamistischen Vertretung in der neuen Regierung ist, wird sich noch zeigen müssen.

Rachid Ghannuchi kündigte in den Medien bereits an, dass die Ennahda-Partei an den kommenden Wahlen in Tunesien antreten werde. Wann diese stattfinden werden, wurde von der Übergangsregierung bisher nicht bekannt gegeben. Das Amt des Präsidenten strebt der Führer der Ennahda nach eigener Aussage nicht an. Nachdem seine Partei über zwanzig Jahre lang verboten gewesen war, müsse sie sich nun erst einmal neu strukturieren. Einen Posten in der Übergangsregierung könne sich Rachid Ghannuchi allerdings vorstellen.

Der Führer der Ennahda betonte in einer Ansprache, dass er sich für ein freies und demokratisches Tunesien einsetzen werde. Ziel seiner Partei sei es nicht, Tunesien zu einem islamischen Staat zu machen. Er strebe weder danach, die Scharia einzuführen, noch eine islamische Verfassung durchzusetzen. Ob die Partei in der künftigen Regierung Tunesiens überhaupt eine Rolle spielen wird, ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht mehr als Gegenstand von Spekulationen.

 




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