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Wissenschaftler warnen vor dem Bau einer Straße durch die Serengeti

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Freitag, 17. September 2010

Die tansanische Regierung plant eine Straße durch den weltberühmten Serengeti Nationalpark zu bauen, um dadurch die Überlandverbindung zwischen dem Indischen Ozean und dem Viktoriasee herzustellen. Damit will das Land den Überlandverkehr aus Uganda, Ruanda, Burundi und Teilen der Demokratischen Republik Kongo anziehen, wodurch Entwicklungsimpulse zu erwarten sind.

Das schwere Manko dieser Planungen ist, dass das geplante 50 Kilometer lange neu zu bauende Teilstück der Straße mitten durch den Serengeti Nationalpark verlaufen würde. 27 internationale Wissenschaftler haben nun in der gestrigen Ausgabe der renommierten Zeitschrift Nature vor den katastrophalen ökologischen und ökonomischen Folgen der Straße gewarnt.

Die Forscher schließen sich damit der Meinung vieler Naturschützer und Unternehmer der Tourismusbranche in Tansania an, die bereits seit längerer Zeit die Pläne der Regierung stark kritisieren. Da in dem ostafrikanischen Land in einem Monat gewählt werden soll, spitzt sich der Konflikt nun zu, weil die Regierung das Projekt nutzt, um auf Stimmenfang zu gehen.

Andrew Dobson, der als Professor für Ökologie und evolutionäre Biologie an der Eliteuniversität Princeton unterrichtet, warnt zusammen mit 26 Kollegen in dem veröffentlichten Appell davor, dass durch den Bau der Straße die Migrationsströme der Tierherden massiv gestört würden. Die Wissenschaftler empfehlen daher den Bau einer Alternativroute, die weiter südlich den Park umgehen würde und nur etwas länger ist.

Anhand einer Simulation haben die Forscher errechnet, dass die Population der großen Gnu-Herden sich von momentan 1,3 Millionen auf unter 300.000 reduzieren würde. Bisher ziehen jährlich Millionen von Tieren dem Wasser folgend durch die Serengeti. Diese gigantische Tierwanderung ist weltweit einmalig und für Tansania auch ein essentieller ökonomischer Faktor, da sie Jahr für Jahr Touristen in das Land zieht. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass ein Kollaps der jährlichen Wanderung für ein Land wie Tansania, das sehr stark vom Tourismus abhängig ist, katastrophale Folgen hätte. Sie appellieren daher an die Regierung, ihre Pläne zu überdenken und ihre bisher sehr konsequente Linie in Sachen Naturschutz weiterzuführen.

 

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