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Mit Ratten gegen Landminen

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Dienstag, 14. September 2010

Auch in Afrika gehören Ratten zu den wenig beliebten Tieren. Die meisten Menschen fürchten, dass die Tiere Krankheiten übertragen, und haben deshalb Angst vor den Tieren. Auch der 32-jährige Tansanier Niko Mushi hasste die Tiere früher – bis er eines Tages davon erfuhr, dass Ratten ein sehr gutes Riechorgan haben und sogar Sprengstoff aufspüren können.

Zunächst war der ehemalige Swahili-Lehrer skeptisch, aber als in seinem Dorf Morogoro im Norden Tansanias das erste Trainingszentrum für Ratten eröffnete, überzeugte er sich selbst von dem Können der Tiere. Seitdem arbeitet er für Bart Weetjen, einen gebürtigen Belgier, der das APOPO-Projekt 1998 initiierte und in Tansania mit seiner Arbeit begann.

Trotz der vielen Ressentiments und Widerstände, die es anfangs zu überwinden galt, ist das APOPO-Projekt kontinuierlich gewachsen und konnte mittlerweile schon viele Erfolge verbuchen. Verwendet werden Hamsterratten, die in Morogoro, einem kleinen Dorf, das in der Nähe des Kilimandscharo liegt, von klein auf geschult und ausgebildet werden, um anschließend Landminen aufzuspüren.

Dazu wird ein einfaches Belohnungssystem angewendet, durch das die sogenannten „HeroRats“ das Aufspüren von Sprengstoff mit einer Belohnung in Form von Fressen verbinden. Nach vielen Übungen und einer Abschlussprüfung im offenen Feld, werden die Ratten dann in Regionen mit Landminen eingesetzt. Mittlerweile sind über 60 Hamsterratten staatlich-anerkannte Sprengstoffsucher, die bereits über 1,3 Millionen Quadratmeter Fläche von etwa 400 Landminen und Sprengkörpern befreit haben.

Bisher kommen die Ratten nur in Mosambik zum Einsatz, wo es seit dem Ende des Bürgerkrieges 1992 noch viele Gebiete gibt, die mit Landminen verseucht sind und deshalb nicht benutzt werden können – genaue Zahlen sind nicht verfügbar. Experten schätzen, dass auf dem gesamten afrikanischen Kontinent noch um die 50 Millionen Landminen vergraben sind und die Entwicklung in den jeweiligen Gebieten stark behindern. Das APOPO-Projekt soll deshalb in Kürze auch auf den Ost-Kongo und Angola ausgeweitet werden, wo seit dem langjährigen Bürgerkrieg weite Gebiete noch vermint sind.

Bisher wurden für die Suche nach Landminen vor allem Detektoren und Spürhunde eingesetzt. Detektoren haben den Nachteil, dass sie in den eisenhaltigen, roten Böden, die in den Tropen weit verbreitet, sind nicht zuverlässig funktionieren. Spürhunde hingegen sind anfällig für tropische Krankheiten und sind teuer in der Ausbildung sowie im Unterhalt.

Die Ratten haben den Vorteil, dass sie durch ihr geringes Gewicht die Minen nicht auslösen können, leicht zu halten und transportieren sind, nicht an eine Person gebunden sind (wie es bei Hunden der Fall ist), die Ausbildung einer Sprengstoffratte nur etwa 6.000 Euro kostet (einen Spürhund auszubilden kostet etwa 20.000 Euro) und die Tiere außerdem in den Tropen heimisch sind und deswegen resistent sind gegen die meisten Tropenkrankheiten.

Der Gründer des Projekts, Bart Wetjeen, gibt sich mit dem Erreichten aber noch lange nicht zufrieden. Die gute Spürnase der Ratten kann nämlich auch in anderen Bereichen erfolgreich eingesetzt werden. Es laufen bereits erfolgreiche Versuche, in denen die HeroRats erschnüffeln sollen, ob ein Mensch an Tuberkulose erkrankt ist. Durch diese günstige Art der Früherkennung könnte Millionen Menschen von den heldenhaften Ratten das Leben gerettet werden.

 




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