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Johannesburger Graffiti-Szene macht Berlin Konkurrenz

Geschrieben von Eva Kauke   
Dienstag, 14. September 2010

Gesprayte Bilder an Hauswänden, an Zügen und an sämtlichen anderen öffentlichen Oberflächen – Kunst oder Vandalismus? Johannesburg scheint für sich eine Antwort zum Thema Graffiti gefunden zu haben. Seit etwa zehn Jahren gibt es eine wachsende Szene in Südafrika, die sich vor allem in Johannesburg ihrem kreativen Hobby ganz legal widmen kann. Inzwischen werden sogar von der Stadtverwaltung Oberflächen für Graffiti-Künstler zur Verfügung gestellt. Und auch viele Hauseigentümer stehen den bunten Fassaden positiv gegenüber. Die Graffitis verleihen dem tristen und häufig heruntergekommenen Erscheinungsbild von Johannesburgs Innenstadt neues Leben. Vorbilder dieser Kunstform sind dabei Städte wie Berlin oder Sao Paolo.

In den vergangenen drei Jahren hat die Graffiti-Szene Südafrikas eine enorme Entwicklung durchgemacht, so der vielleicht bekannteste Künstler Johannesburgs „Rasty“ bei Welt Online. Vor dem Ende der Apartheid existierte praktisch keine Graffiti-Kunst im Land, was Falko Starr, ein Sprayer aus Kapstadt, hauptsächlich damit begründet, dass Südafrika in dieser Zeit weitgehend von kulturellen Einflüssen aus anderen Ländern abgeschirmt war. Erst in den 90er Jahren wurde diese Kunstform auch in Südafrika bekannt. Zunächst entwickelte sich hauptsächlich in Kapstadt eine Graffiti-Szene, die sich jedoch relativ schnell nach Johannesburg verlagerte, da die Stadt rigoros gegen die Sprayer vorging. Bis heute gibt es dort ein Anti-Graffiti-Gesetz. Die Kunst an öffentlichen Oberflächen wird legal ausschließlich für kommerzielle Zwecke genutzt. Wer sich ohne die Gefahr einer hohen Geldstrafe künstlerisch selbst verwirklichen will, geht nach Johannesburg.

Die soziale Wirklichkeit Südafrikas wird jedoch auch in der Graffiti-Szene widergespiegelt. Bis heute wird diese von weißen Jugendlichen dominiert, was nicht zuletzt den hohen Preisen für Spraydosen zuzuschreiben ist. Das Pro-Kopf-Einkommen der weißen Minderheit Südafrikas liegt sechzehn Jahre nach dem Ende der Apartheid immer noch weit über dem der schwarzen Bevölkerungsgruppen. Viele Jugendliche aus den Townships können sich diese Form der künstlerischen Gestaltung schlicht nicht leisten. Obwohl mit Graffitis in Johannesburg durchaus Geld zu verdienen ist. Der Künstler „Rusty“ hat sein Hobby zum Beruf gemacht und lebt heute von seiner Kunst. Um für einen Job bezahlt zu werden, muss man allerdings in der Regel mehrere Dutzend Arbeiten vorweisen können. Mit einem einzigen Graffiti, das allein schon bis zu 50 Euro für Spraydosen kostet, ist es dabei nicht getan. Dennoch beobachtet „Rusty“ auch in der schwarzen Bevölkerung ein vermehrtes Interesse an dieser Kunstform.

 




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