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Referendum im Südsudan beendet

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Samstag, 15. Januar 2011

Das Referendum im Südsudan bezüglich der Unabhängigkeit von den nördlichen Landesteilen wurde heute abgeschlossen. Sieben Tage lang konnten die ca. vier Millionen Südsudanesen über ihre Zukunft abstimmen, viele reisten dafür extra in den Süden des Landes. Sichtlich erschöpfte Wahlhelfer kümmerten sich um die letzten Wähler oder schliefen zum Teil direkt an ihren Tischen ein, nachdem sie eine Woche lang nahezu komplett durchgearbeitet hatten.

Der ehemalige US-Präsident Jimmy Carter, der eine der größten Wahlbeobachtungsmissionen leitet, sprach von einer Wahlbeteiligung um die 90 Prozent. Damit die Abstimmung Gültigkeit erlangt, war eine Beteiligung von 60 Prozent erforderlich, die nach Auskunft der Wahlkommission bereits nach vier Tagen erreicht war.

Es ist sehr wahrscheinlich, dass eine große Mehrheit für die Unabhängigkeit des Südsudan, der etwa ein Viertel der gesamten Landesfläche einnimmt, gestimmt hat. Nahezu alle befragten Wähler vor den Wahllokalen haben angegeben, für eine Abspaltung vom Norden zu stimmen. Ob der von Khartum aus regierte Norden die Separation akzeptiert, lässt sich nur schwer vorhersagen.

Der Präsident des Sudan, Omar Hassan al-Bashir erklärte in einer Fernsehansprache, dass der muslimisch geprägte Norden den Süden, in dem christliche und traditionelle Glaubensformen vorherrschen, niemals unterdrückt habe und dass die Spaltung eher von der britischen Kolonialvergangenheit herrühre. In seiner Ansprache im Staatsfernsehen sagte er weiterhin, dass der Süden seit der Unabhängigkeit bis heute eine Last für den Sudan gewesen sei.

Das Referendum zur Unabhängigkeit wurde im Friedensabkommen von 2005 festgelegt. Vorausgegangen war der Einigung ein 21 Jahre dauernder Bürgerkrieg, der etwa 1,5 Millionen Menschen das Leben kostete.

Überschattet wurde das Referendum von Auseinandersetzungen über Land- und Weiderechte zwischen zwei verfeindeten Volksgruppen in der Abyei-Region, die direkt an der Grenze zwischen Nord- und Südsudan liegt. Die Dinka Ngok, die dem Süden nahestehen, beanspruchen das Gebiet für sich, genauso wie die aus dem Norden kommenden nomadischen Arab Misseriya.

Die beiden rivalisierenden Volksgruppen haben nach zwei Tage langen Verhandlungen nun einen Kompromiss geschlossen, der das Blutvergießen beenden soll. Der Kompromiss, dessen Eckpunkte die Zahlung von Blutgeld und die gegenseitige Gewährleistung von Sicherheit sind, kam durch diplomatische Bemühungen der USA und des ehemaligen südafrikanischen Präsidenten Thabo Mbeki zustande.

Ungeklärt bleibt jedoch die größere Streitfrage, ob die ölreiche Abyei-Region dem Norden oder dem Süden des Sudan zugehören soll. Ein separates Referendum in der Region, welches diese Frage klären sollte und für letzte Woche angesetzt war, wurde bisher nicht abgehalten.

 




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