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Viele Verkehrstote in Sierra Leone wegen neuer Straßen

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Mittwoch, 26. Oktober 2011

Die Europäische Union und die Weltbank haben in den vergangenen Jahren schätzungsweise 200 Millionen US-Dollar in den Wiederaufbau der Infrastruktur in das vom Bürgerkrieg stark zerstörte Sierra Leone investiert. Nach dem von 1991 bis 2002 andauernden Bürgerkrieg befand sich das kleine westafrikanische Land in einem desolaten Zustand. Der Hilfe der externen Geldgeber ist es zu einem Großteil zu verdanken, dass das Straßennetz wieder erneuert werden konnte. Die Schattenseite dieser Aufbauhilfe: Die Zahl der Verkehrstoten ist sprunghaft angestiegen.

Zwar gibt es keine gesicherten Zahlen über die Anzahl der Menschen, die in Sierra Leone jährlich tödlich im Straßenverkehr verunglücken, aber dennoch verzeichnen die Verantwortlichen eine deutliche Zunahme der Unfälle mit tödlichen Ausgang. Allein 2009 gab es 2.204 registrierte Zwischenfälle, bei denen 216 Menschen starben.

Die neu gebauten Straßen verleiten viele Autofahrer dazu, trotz mangelnder Erfahrung und mit altersschwachen Autos überhöhte Geschwindigkeiten zu fahren. Der bisherige, schlechte Zustand vieler Straßen war eine natürliche Art der Geschwindigkeitsbegrenzung – das bedeutet jedoch nicht, dass die Verantwortlichen nun wieder Schlaglochpisten einführen wollen. Stattdessen sollen mehr Fahrtrainings angeboten, die Einhaltung der Verkehrsregeln stärker überprüft und die Sicherheitsstandards erhöht werden.

Aus der EU kommen nicht nur die Gelder zum Bau der Straßen, sondern auch häufig die nicht mehr verkehrstauglichen Autos, die in Sierra Leone und anderen afrikanischen Ländern weiter verwendet werden. Die Weltbank schätzt, dass 70 Prozent der 1,17 Millionen Verkehrstoten jedes Jahr, in den Entwicklungsländern zu verorten sind.

Aufgrund der neuen Schnellstraße zwischen der Hauptstadt Sierra Leones, Freetown, und der zweitgrößten Stadt des Landes, Bo, benötigt man für die Strecke nicht mehr wie früher, einen ganzen Tag, sondern nur noch etwa drei Stunden. Entlang der Straße sind man aber immer wieder Autowracks, die stumm mahnend vor sich hin rosten. Auch die Polizei, die häufig Kontrollstellen errichtet, interessiert sich bisher nur wenig für überladene oder nicht mehr verkehrstaugliche Fahrzeuge – die Checkpoints dienen meistens mehr dem Zweck, Bestechungsgelder zu kassieren.

 




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