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Nigeria: Militär erschießt Jugendliche in Maiduguri

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Freitag, 2. November 2012

Zahlreichen Augenzeugenberichten zufolge hat das nigerianische Militär in der nordöstlichen Stadt Maiduguri dutzende Menschen verhaftet und hingerichtet. Die Nachrichtenagentur Reuters berichtet von mindestens 30 Toten, ein Großteil davon Jugendliche. Maiduguri gilt als die Hochburg der radikal-islamistischen Sekte Boko Haram, die in den letzten Jahren mit Anschlägen und Attentaten mehrere hundert Menschen getötet hat.

Das Militär des bevölkerungsreichsten afrikanischen Staates versucht seit einigen Monaten mit harter Hand der Terroristen Herr zu werden. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International hat mittlerweile Anschuldigungen erhoben, dass die Spezialeinheiten der nigerianischen Armee bei ihrem Kampf gegen die Terrororganisation, auch den Tod von Unschuldigen billigend in Kauf nimmt und darüber hinaus weitere Menschenrechtsverletzungen begeht.

Der heutige Zwischenfall wurde bisher noch nicht vom Militär bestätigt, ein Sprecher gab diesbezüglich jedoch bekannt, dass Untersuchungen eingeleitet würden. Die von Amnesty International erhobenen Vorwürfe wies das Militär entschieden zurück. Finanzministerin Ngozi Okonjo-Iweala erklärte, dass die Regierung Menschenrechtsverstöße nicht dulden werde, warb aber gleichzeitig um Verständnis für die schwierige Lage, in der sich die Armee befindet. Diese müsse mit aller Macht weiteren Terroranschlägen vorbeugen, um eine Zunahme der zivilen Opfer zu verhindern.

Augenzeugen berichten, dass in Maiduguri heute Soldaten in etlichen Stadtvierteln von Haus zu Haus gegangen sind und gezielt Jugendliche verhaftet haben. Die Verdächtigen wurden anschließend auf einem Feld gesammelt und ihre Personalien mit einer Datenbank abgeglichen. Malam Aji Mustapha, ein Imam der ebenfalls verhaftet wurde, berichtet, dass daraufhin ein Teil der Personen von den restlichen abgesondert und umgehend erschossen wurde.

Eine Krankenschwester des städtischen Krankenhauses bestätigte, dass im Laufe des Tages mehr als 30 Leichen angeliefert wurden – hauptsächlich junge Männer. Ob es sich dabei wirklich ausschließlich um Kämpfer Boko Harams handelt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sagen. Die radikal-islamistische Sekte hat ihre Anschläge in den vergangenen Monaten auf Kirchen und Militäreinrichtungen konzentriert und stellt ein enormes Sicherheitsrisiko für den Vielvölkerstaat Nigeria dar.

 

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