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Nigeria: Anschläge auf Kirchen provozieren Racheakte

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Sonntag, 17. Juni 2012

In der zentralnigerianischen Provinz Kaduna ist es am heutigen Sonntag zu drei Anschlägen auf christliche Gotteshäuser gekommen. Zwei der Anschläge ereigneten sich kurz hintereinander in dem Städtchen Zaria. Zunächst fuhr ein Selbstmordattentäter mit einem blauen Honda Civic in den Haupteingang der Kirche und tötete nach Auskunft des Pastors Nathan Waziri mindestens drei Menschen.

Nur wenige Minuten danach warfen Unbekannte einen Sprengsatz auf eine andere Kirche in dem Ort und töteten dabei vier Kinder, die auf der Straße vor der Kirche spielten. Wie die Augenzeugin Deborah Osagie, die gegenüber der Kirche lebt, berichtet, wurden die Attentäter kurz darauf von einem wütenden Mob aufgegriffen und noch vor Ort getötet.

Der dritte Anschlag ereignete sich in der Provinzhauptstadt Kaduna, wobei bisher noch nicht klar ist, wie viele Menschen dort ums Leben gekommen sind. Auch hier kam es direkt im Anschluss zu Racheakten wütender jugendlicher Christen. Diese blockierten die Hauptausfallstraße der Stadt, die in Richtung der Hauptstadt Abuja führt, und zerrten Muslime aus ihren Autos. Ein Augenzeuge, dem es gelang sein Auto vor der Straßensperre zu wenden, sprach von bis zu 20 Toten – eine Zahl, die offiziell noch nicht bestätigt worden ist.

Bekannt hat sich bislang noch keine Organisation zu den Anschlägen, aber es ist davon auszugehen, dass die radikal-islamistische Sekte Boko Haram dafür verantwortlich ist. Die Terrororganisation hat sich über die letzten Jahre zunehmend radikalisiert und mit anderen islamistischen Gruppen zusammengeschlossen, darunter auch dem nordafrikanischen Flüge des global agierenden Terrornetzwerkes al-Qaeda.

Boko Haram hat in den vergangenen Monaten gehäuft christliche Gotteshäuser angegriffen und ist ein enormes Sicherheitsrisiko für die nigerianische Regierung, die mit aller Schärfe versucht, gegen die Organisation vorzugehen. Der Vielvölkerstaat Nigeria mit seinen 160 Millionen Einwohnern ist im Süden primär christlich, im Norden vorwiegend muslimisch geprägt.

Boko Haram versucht gezielt durch Anschläge auf Christen einen religiös motivierten Konflikt zwischen Christen und Muslimen zu provozieren. Wie die heutigen Racheakte gezeigt haben, scheint dieser Plan zunehmend aufzugehen. Gerade in der zentral gelegenen Kaduna-Provinz treffen Menschen beider Religionen aufeinander. Was bisher als vornehmlich friedliche Koexistenz funktionierte, wird nun von Boko Haram radikalisiert und droht dadurch weiter zu eskalieren.

 

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