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Nigeria: Gespräche mit Boko Haram über Waffenstillstand

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Donnerstag, 15. März 2012

Erstmals hat es in Nigeria Gespräche zwischen der Regierung und führenden Mitgliedern der radikal-islamistischen Sekte Boko Haram gegeben. Da die militante Organisation weitgehend im Verborgenen agiert, wurden die Friedensgespräche auf indirekte Weise mit Hilfe mehrerer Mediatoren geführt, die Nachrichten zwischen den Verhandlungspartnern austauschten.

Bei den Gesprächen, die im Verlauf der vergangenen Woche geführt worden sind, wurde erstmals auch die Möglichkeit einer Waffenruhe erörtert. Boko Haram schloss eine solche nicht umgehend aus, nannte als Bedingung jedoch, dass im Gegenzug alle Mitglieder der Terrororganisation aus dem Gefängnis entlassen werden müssten. Ein Menschenrechtsaktivist, der an den Verhandlungen beteiligt war, aber anonym bleiben will, teilte mit, dass die Regierung diese Forderung als inakzeptabel abgelehnt hat, im Gegenzug aber angeboten habe, eine „Fußsoldaten“ freizulassen.

Ob Nigerias Präsident Goodluck Jonathan persönlich in die indirekten Gespräche involviert war ist unklar, ein Sprecher des Präsidenten wollte dazu keine Stellungnahme abgeben. Unklar ist auch, ob eine mögliche Waffenruhe mit allen Mitgliedern der Sekte überhaupt realistisch ist. Beteiligt an den Verhandlungen war, Informationen der Nachrichtenagentur Reuters zufolge, auf Seiten der Terrororganisation deren selbsternannter Führer Abubakar Shekau. Da die interne Struktur der Gruppe jedoch weitgehend im Dunkeln liegt, ist nicht abzusehen, für wie viele Kämpfer Shekau spricht.

Der Name „Boko Haram“ bedeutet in der Sprache der Hause „westliche Erziehung ist sündhaft“ und die Sekte versucht vom Nordnigeria ausgehend die – ihrer Meinung nach – korrupte Regierung zu stürzen und darüber hinaus islamisches Recht in dem bevölkerungsreichsten Land Afrikas (160 Mio.)  einzuführen. Seit Jahren gewinnt die Organisation an Einfluss, bei einem Bombenanschlag an Weihnachten tötete die Sekte 30 Menschen, bei einem koordinierten Angriff in Kano im Januar töteten sie 186 Personen.

Das Militär versucht mit aller Härte gegen den kaum greifbaren Feind vorzugehen, seit Anfang des Jahres herrscht vor allem in den nördlichen Provinzen in und um Maiduguri, dem Kernland der Sekte, quasi Krieg. Der Armee ist es gelungen, einige hochrangige Mitglieder Boko Harams zu identifizieren und festzunehmen bzw. zu töten. Seither scheint sich die Sekte von größeren, gut koordinierten Anschlägen abzusehen und konzentriert sich wieder verstärkt auf kleinere Bombenanschläge und Hinrichtungen aus fahrenden Autos.

Die ersten indirekten Friedensgespräche zeigen aber auch, dass die Regierung um Präsident Jonathan sich mittlerweile klar darüber ist, dass eine rein militärische Lösung im Kampf gegen den kaum greifbaren Feind nicht realisierbar ist und durch politische bzw. diplomatische Ansätze ergänzt werden muss.

 

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