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Nigeria: Klima der Angst nach Anschlagsserie

Geschrieben von Eva Kauke   
Montag, 23. Januar 2012

Am Freitag wurden bei einer Reihe von Anschlägen in der nordnigerianischen Stadt Kano mindestens 190 Menschen getötet. Die radikal islamistischen Sekte Boko Haram bekannte sich bereits zu den Anschlägen. Ziele der Angriffe waren hauptsächlich Regierungsgebäude und Polizeistationen, aber auch mehrere christliche Einrichtungen. Die Angreifer zündeten Bomben und Schossen mit Maschinengewehren auf die fliehenden Menschen. Sektenmitglieder auf Motorrädern flankierten Fahrzeuge, in denen Selbstmorsattentäter auf ihre Ziele zusteuerten, wo sie ein regelrechtes Blutbad anrichteten. Als Grund für die Massaker nannte die Boko Haram die Weigerung der Regierung, gefangen genommene Mitglieder der Sekte aus dem Gefängnis zu entlassen. Während der Angriffe gelang es ihnen nach Meldungen der BBC, mehrere Männer aus dem Polizeigewahrsam zu befreien.

Das Ziel der Boko Haram ist es, in Nigeria einen islamischen Gottesstaat zu errichten. Der Norden des Landes ist überwiegend muslimisch, in Kano, der größten Stadt der Region, gibt es jedoch eine relativ große christliche Gemeinde. Zu Beginn des Jahres hatte die Boko Haram den Christen in Nordnigeria ein Ultimatum gestellt, innerhalb von drei Tagen in den Süden des Landes zu ziehen, der vornehmlich christlich geprägt ist. Seither häufen sich die Anschläge der Sekte auf christliche Einrichtungen aber auch staatliche Behörden. Mehrere hundert Menschen wurden bereits bei Anschlägen der Sekte getötet.

Experten befürchten den Ausbruch eines Bürgerkrieges in Nigeria. Auch in anderen Teilen des Landes sorgte der Anstieg der Benzinpreise nach der Abschaffung der Subventionierung von Treibstoff in den vergangenen Wochen für chaotische Zustände. Bei Massenprotesten wurden ebenfalls mehrere Menschen getötet. Auch Nigerias Präsident Goodluck Jonathan reagiert nun auf die immer dramatischer werdende Lage seines Landes. Er kündigte an, die geplanten Reformen nochmals zu überdenken und auch das Vorgehen gegen die Boko Haram will er verstärken. In wie weit die Sekte allerdings bereits in die staatliche Sphäre Nigerias eingedrungen ist, ist schwer zu sagen. Sogar der Präsident selbst vermutet, dass Sympathisanten der radikalen Islamisten bereits auch in den Regierungsreihen vertreten sind.

 




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