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Nigeria: Radikale Islamisten greifen Stadt an

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Sonntag, 27. November 2011

Zahlreiche bewaffnete Personen, die aller Wahrscheinlichkeit nach Mitglieder der radikal-islamistischen Sekte Boko Haram sind, haben in der Nacht von Samstag auf Sonntag zahlreiche Einrichtungen in der Stadt Geidam in der Yobe Provinz im Nordosten Nigerias angegriffen. Bislang hatten sich die Angriffe der Sekte auf die Provinzhauptstadt der benachbarten Borno-Region, Maiduguri, konzentriert.

Wie die Polizei mitteilte, waren die Angreifer mit Sprengsätzen, Brandbomben und Maschinengewehren bewaffnet. Acht Kirchen, zwanzig Marktstände und das Sekretariat des Stadtrates seien komplett zerstört worden. Darüber hinaus schmissen die Kämpfer Sprengsätze auf das Hauptquartier der Polizei und eine Bank. Ersten Informationen zufolge wurden mindestens vier Polizisten getötet und über 20 verletzt.

Die konkreten Hintergründe für die Tat sind noch unklar. Generell fordert Boko Haram, deren Name übersetzt etwa „westliche Erziehung ist Sünde“ bedeutet, die Scharia in Nigeria etablieren. Darüber hinaus ermordet die Organisation mit beängstigender Häufigkeit Politiker, denen sie vorwirft, korrupt und für die Armut in der Region verantwortlich zu sein.

Geidam, das etwa 160 Kilometer von Damaturu, der Hauptstadt der Yobe-Region entfernt liegt, ist der Sitz des einflussreichen Provinzgouverneurs. In Sicherheitskreisen wird vermutet, dass der konsequente Ausbau der militärischen Präsenz in der Heimatregion der Sekte in den vergangenen Monaten dazu geführt hat, dass diese ihren Aktionsradius ausgeweitet hat.

Bei einem Angriff Boko Harams in der Provinzhauptstadt Damaturu vor wenigen Wochen wurden konservativen Schätzungen zufolge mindestens 65 Menschen getötet. Andere Quellen gehen von mehr als 100 Todesopfern aus. Im August diesen Jahres verübte die Gruppe in der Hauptstadt Nigerias, Abuja, einen Selbstmordanschlag auf das UN-Hauptquartier, bei dem 26 Personen getötet wurden.

Nigerias Präsident Goodluck Jonathan  hat im Juli ein Verhandlungskomitee ins Leben gerufen, welches Gespräche mit der radikal-islamistischen Sekte aufnehmen soll. Diese hatte Gespräche jedoch an die Bedingung geknüpft, dass die gesamte Provinzregierung zurücktritt. Menschenrechtsorganisationen schätzen, dass durch den anhaltenden Terror seit Juli 2010 bereits über 350 Menschen von Boko Haram getötet worden sind.

 




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