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Verdächtiger für Anschlag auf UN-Hauptquartier in Nigeria benannt

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Mittwoch, 31. August 2011

Die nigerianischen Behörden, die den Anschlag auf das UN-Hauptquartier in der Hauptstadt Abuja vergangene Woche untersuchen, haben heute einen Hauptverdächtigen benannt. Es handelt sich dabei um ein Mitglied der radikal-islamischen Terrororganisation Boko Haram, die bisher vornehmlich im entlegenen Nordosten des westafrikanischen Landes aktiv war.

Bei dem Bombenanschlag auf das UN-Hauptquartier mitten im Stadtzentrum von Abuja vergangenen Freitag waren 23 Menschen getötet und an die 80 verletzt worden. Wie die Vereinten Nationen mitteilten, ist der Anschlag somit einer der Schwersten in der Geschichte der internationalen Organisation. Bei einem vergleichbaren Anschlag auf ein UN-Gebäude in Bagdad waren 2003 insgesamt 22 Menschen getötet worden.

Wie die nigerianischen Behörden nun mitteilten, soll Mamman Nur, ein hochrangiges Mitglied Boko Harams, den Bombenanschlag geplant und organisiert haben. Nur, der erst vor kurzem aus Somalia zurückgekehrt ist, soll über Verbindungen zu der in Nordafrika aktiven Terrorgruppe al-Qaida des islamischen Maghreb (AQIM) und den ebenfalls radikal-islamistischen al-Shabaab Milizen in Somalia verfügen. Beides sind Organisationen, die mit der internationalen Terrororganisation al-Qaida verknüpft sind.

Bereits eine Woche vor dem tödlichen Anschlag hatten die Sicherheitsbehörden in Nigeria zwei Mitglieder Boko Harams verhaftet, die ebenfalls mit der Bombenattentat in Verbindung stehen sollen. Wie genau die Sicherheitsbehörden zu dem Schluss gekommen sind, dass Mammar Nur hinter den Anschlägen steht, ist bisher noch unklar, in einer Stellungnahme des Innenministeriums ist lediglich die Rede davon, dass die bereits Inhaftierten „wertvolle Hinweise“ gegeben hätten. Analysten gehen außerdem davon aus, dass der Geheimdienst schon seit längerem die terroristische Sekte unterwandert hat. Mammar Nurs Aufenthaltsort ist unbekannt, er wird per Haftbefehl gesucht.

Die sich ausbreitende Gewalt Boko Harams, die einen islamistischen Gottesstaat erzwingen soll, ist das größte Sicherheitsproblem für den nigerianischen Präsidenten Goodluck Jonathan. Fast täglich kommt es im Nordosten des Landes zu Anschlägen und gezielten Attentaten durch die Sekte. Durch den Anschlag auf das UN-Hauptquartier hat der Terror aber eine neue Qualität erreicht, sowohl in der Größe als auch in der Wahl des Zieles.

Das könnte darauf hindeuten, dass Boko Haram seine Beziehungen zu AQIM und eventuell auch zu den al-Shabaab Milizen in Somalia intensiviert hat und eine Art Internationalisierung seiner Aktivitäten anstrebt. Damit stiege auch die Gefahr terroristischer Anschläge im ölreichen Nigerdelta im christlich geprägten Süden Nigerias wieder an. Die überwältigende Mehrheit der Nigerianer, sowohl christlicher als auch islamischer Prägung, lehnt die radikalen Forderungen Boko Harams ab.

 




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