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Timbuktu: Bibliothekare schützen Kulturschätze vor Rebellen

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Mittwoch, 11. April 2012

Während in Malis Hauptstadt Bamako die Putschisten versuchen, zur Normalität zurückzukehren, haben die von den Tuareg angeführten Rebellen der MNLA („Nationale Bewegung für die Befreiung des Azawad“) am 6. April den Norden des Landes für unabhängig erklärt. In der sagenumwobenen Wüstenstadt Timbuktu, die im Norden gelegen ist, fürchten die Menschen seitdem nicht nur um ihre Zukunft, sondern auch um ihr historisches Erbe.

Diese Sorge gilt nicht nur den zum UNESCO-Weltkulturerbe zählenden prachtvollen Lehmbauten, die teilweise aus dem 14. Jahrhundert stammen, sondern insbesondere auch den zehntausenden Schriftrollen und einzigartigen Manuskripten, die sich in der alten Karawanenstadt und einstigen Perle islamischer Hochkultur befinden.

Professor Shamil Jeppie, der an der südafrikanischen Universität in Kapstadt lehrt und einer international geförderten Initiative zum Erhalt des „Wissensschatzes“ angehört, steht in täglichem Kontakt mit den Kuratoren und privaten Sammlern, die die Schriftrollen vor den Rebellen in Sicherheit zu bringen versuchen. Malischen Bibliothekaren, Akademikern und Bürgern der Stadt Timbuktu sei es bisher gelungen, die wertvollen Schriftrollen vor Plünderung oder Zerstörung zu schützen.

Die malische Staatsbibliothek, das Ahmed Baba Institut, sei zwar von Rebellen angegriffen und Fahrzeuge gestohlen worden, aber zahlreiche Menschen hatten sich vor den Eingängen zum Gebäude versammelt und so verhindert, dass die Rebellen das Institut betreten, in dem über 20.000 Manuskripte antiker Gelehrter lagern. Viele der Schriftrollen befinden sich auch in großen Privatsammlungen, deren Besitzer derzeit versuchen, die unschätzbar wertvollen Dokumente zu verstecken, außer Landes zu schaffen oder anderweitig in Sicherheit zu bringen.

Konservative Schätzungen gehen davon aus, dass insgesamt mindestens 150.000 Dokumente (andere Schätzungen gehen von bis zu einer Million aus) in Timbuktu lagern, die ältesten davon aus dem 13. Jahrhundert. Viele der antiken Manuskripte waren über Generationen hinweg von stolzen Familien in der Wüste vergraben oder in Lehm eingemauert worden, um einen Diebstahl durch marokkanische Invasoren, europäische Entdecker oder französische Kolonialisten zu verhindern.

Seit einigen Jahren sorgen die Texte international für Aufsehen und werden nun sukzessive digitalisiert. Experten setzen sie in ihrer Bedeutung mit der der Schriftrollen von Qumran gleich. Im 15. und 16. Jahrhundert war das legendäre Timbuktu ein Hort des Wissens. Bis zu 25.000 Studenten sollen damals dort Recht, Medizin, Astronomie, Geschichte und die Lehren des Islam studiert haben.

Die Manuskripte haben gezeigt, dass sich damals in Timbuktu eine afrikanische Form des Islams entwickelt hat, der von Toleranz geprägt war. In einer Zeit, als Europa noch ein strenger Katholizismus herrschte, wurde in Timbuktu schon über Frauenrechte diskutiert. Der Erhalt der antiken Schriftrollen in Mali ist so essentiell, da es kaum andere schriftliche Quellen über die afrikanische Geschichte gibt.

 




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