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Libyen: Parlamentswahl größtenteils friedlich

Geschrieben von Eva Kauke   
Sonntag, 8. Juli 2012

Am Samstag fanden in Libyen die ersten freien Wahlen nach dem Sturz des Diktators Muammar al-Gaddafi statt, der über vierzig Jahre lang die Geschicke des Landes bestimmte. Über 3000 Kandidaten traten an, um einen der 200 Sitze in der Volksvertretung zu erlangen. Ersten Berichten aus Libyen zufolge verlief die Abstimmung in den meisten Teilen des Landes friedlich. In der Hauptstadt Tripolis wurde die Stimmung als euphorisch und überschwänglich bezeichnet. Im Osten des Landes kam es jedoch zu größeren Unruhen, was sich in den Tagen vor der Wahl bereits abgezeichnet hatte. So wurden in einem Wahllokal in Bengasi hunderte Stimmzettel verbrannt. Sogar von Verletzten wurde berichtet.

Die politische Landschaft in Libyen nach der Ära Gaddafi lässt sich im Wesentlichen in zwei Lager aufteilen. Auf der einen Seite sind die Liberalen, deren größte Partei die Allianz der Nationalen Kräfte ist. Der wohl bekannteste Vertreter dieses politischen Lagers ist Mahmud Dschibril, der ehemalige Premierminister der Übergangsregierung. Er selbst kandidiert nicht für einen Sitz im Parlament, gilt jedoch als Aushängeschild der Partei. Zu den Wählern der Vertreter der säkularen Parteien gehören hauptsächlich Libyer aus der gebildeten Schicht, darunter viele junge Menschen, die sich für die Zukunft ein modernes Libyen wünschen.

Das zweite politische Lager des Landes lässt sich als religiöses Lager zusammenfassen. Dazu zählen in dem muslimischen Land hauptsächlich die Muslimbrüder, die Salafisten und die Anhänger des Sufismus. Die Muslimbrüder haben auch in Libyen einen großen Einfluss, der jedoch nicht an den in Ägypten heranreicht. Zu den wohl bedeutendsten islamistischen Parteien in Libyen zählt die Wattan-Partei. Diese will die Scharia als Rechtssystem einführen. Ausgelegt werden soll diese zwar weniger streng als in Saudi Arabien aber dennoch nicht so moderat wie etwa in der Türkei. Welchen Mittelweg sich die Wattan-Partei tatsächlich vorstellt, bleibt bisher Gegenstand von Spekulationen. Dass die Scharia die Grundlage für die neue Rechtssprechung in Libyen sein wird, hat der Übergangsrat jedoch bereits festgelegt.

 

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