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1.500 Migranten 2011 auf dem Weg nach Europa ertrunken

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Mittwoch, 1. Februar 2012

Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen (UNHCR) hat gestern Zahlen über die Bootsflüchtlinge vorgelegt, die jährlich versuchen über das Mittelmeer bis nach Europa zu gelangen. Etwas mehr als 58.000 Menschen ist es demnach 2011 gelungen, über den Seeweg bis nach Europa zu gelangen – 1.500 haben diesen riskanten Versuch nicht überlebt.

Die Sprecherin des UNHCR, Sybella Wilkes, bestätigte, dass 2011 somit das tödlichste Jahr seit dem Beginn der Aufzeichnungen 2006 gewesen sei. Zur Ermittlung möglichst genauer Zahlen hat das UNCHR Befragungen bei Flüchtlingen, Migranten sowie Angehörigen durchgeführt. Zu den Opfern gehören Menschen aus mindestens 15 verschiedenen afrikanischen Nationen.

Einer der Gründe für die gestiegenen Flüchtlingszahlen sind die Revolutionen in Tunesien und Libyen. Diese haben auch bewirkt, dass viele Arbeitsmigranten aus subsaharischen Ländern, die bisher in den nordafrikanischen Staaten gearbeitet haben, aufgrund der unsicheren Lage die Flucht nach Europa – trotz aller Gefahren – gewagt haben.

In den Monaten April und Mai kam es in Libyen noch unter der Herrschaft Muammar al-Gaddafis teilweise sogar zu Zwangsverschiffungen von Migranten. Diese wurden von bewaffneten Soldaten auf Boote gezwungen und mussten ohne erfahrene Anleitung und unter schlimmsten Bedingungen versuchen, alleine den Weg über das Meer zu finden, erklärte die UNHCR-Sprecherin.

Strengere Grenzkontrollen haben die Ankunftszahlen in Europa 2009 und 2010 deutlich gesenkt. Den Preis haben allerdings die verzweifelten Menschen zu tragen, die keinen anderen Ausweg mehr wissen, als ihre Familie und ihre Heimat hinter sich zu lassen und unter riskantesten Bedingungen zu versuchen, nach Europa zu gelangen. Um die engmaschigen Kontrollen zu umgehen benutzen Schleuser immer gefährlichere Routen und immer kleinere Boote, häufig mit fatalen Folgen.

Hinzu kommt, dass die EU auch Flüchtlinge und Migranten wieder nach Libyen (zu Zeiten Gaddafis) „zurückgeführt“ hat, obwohl bekannt war, dass dort die Menschenrechte der Betroffenen nicht gewahrt werden. Wilkes erinnerte auch daran, dass alle Schiffe dazu verpflichtet sind, einem in Seenot geratenen Schiff zu Hilfe zu kommen. Eigentlich eine Selbstverständlichkeit, in der Vergangenheit wurden aber Vorwürfe laut, dass Flüchtlingsboote einfach ignoriert oder teilweise sogar zum Umkehren gezwungen worden waren.

Alleine seit Beginn diesen Jahres sind schon wieder drei Fälle bekannt geworden, in denen ein vollbesetztes Boot versucht hat, trotz der rauen See und des schlechten Wetters, von Libyen aus nach Lampedusa zu gelangen. Eines der Boote, das mit 55 Personen besetzt war, wird seitdem vermisst. Die libysche Küstenwache bestätigte gegenüber dem UNHCR, dass vergangene Woche 18 Leichen, darunter auch Frauen und Kinder, an die Küste angespült worden sind.

 




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