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Gaddafis Residenz in Tripolis eingenommen

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Mittwoch, 24. August 2011

Den libyschen Rebellen, die seit Februar versuchen, ihr Land von der seit über 40 Jahren andauernden Diktatur Muammar al-Gaddafis zu befreien, ist es gestern gelungen, das gut befestigte Anwesen des Machthabers in Tripolis einzunehmen. Die Bab al-Aziziya genannte Residenz wurde anschließend geplündert, Symbole und Statuen des Herrschers zerstört und zahlreiche Waffen beschlagnahmt.

Gaddafi, der sich vermutlich bis vor kurzem noch in dem Anwesen aufgehalten hat, ist es gelungen, vor der Erstürmung zu entkommen. Bab al-Aziziya verfügt über ein weitverzweigtes Tunnelsystem, das Annahmen zufolge eine sichere Flucht ermöglicht hat. Experten gehen davon aus, dass es in der zwei Millionen Einwohner zählenden Hauptstadt Libyens noch zahlreiche sichere Unterschlüpfe gibt, auf die der Diktator zurückgreifen kann.

Sollte Gaddafi die Stadt verlassen haben, ist es wahrscheinlich, dass er sich entweder in seinen Geburtsort Sirte oder die Wüstenstadt Sebha zurückgezogen hat. In beiden Städten genießt der Machthaber noch immer Unterstützung. Obwohl die Rebellen mittlerweile bis in das Machtzentrum des alten Regimes vorgedrungen sind, gibt sich Muammar al-Gaddafi weiter siegessicher.

In einer Audiobotschaft ließ er die ihm üblichen Hasstriaden verlauten und sprach bezüglich der Einnahme seines Anwesens lediglich von einem „taktischen Rückzug“. Außerdem sei er unerkannt durch die Straßen Tripolis gewandert und habe dort viele junge Menschen gesehen, aber keine Anzeichen einer Einnahme der Stadt durch die Rebellen.

Die Realität sieht – gelinde gesagt – anders aus: Fast alle Einwohner der Hauptstadt, die sich nicht an den Kämpfen beteiligen, trauen sich seit Tagen nicht mehr auf die Straße. Östlich des Flughafens und in Teilen des Stadtzentrums kommt es noch immer zu schweren Gefechten. Zudem haben Gaddafi-treue Kämpfer um die 35 ausländische Journalisten im Rixos Hotel im Stadtzentrum quasi unter Hausarrest gestellt, weshalb es immer schwieriger wird, verlässliche Informationen aus Tripolis zu erhalten.

Der Nationale Übergangsrat der Rebellen plant derweil bereits für die Zeit nach dem Sturz des Diktators. In Qatar sollen Gespräche mit Vertretern der USA, Großbritanniens, Frankreichs, der Türkei und den Vereinigten Arabischen Emiraten stattfinden, um über die Zukunft Libyens zu diskutieren und Wiederaufbauhilfen zu vereinbaren.

 




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