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Libyen: Sohn von Gaddafi doch noch frei

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Dienstag, 23. August 2011

Der Sohn des seit 42 Jahren herrschenden libyschen Machthabers Muammar al-Gaddafi, Saif al-Islam, ist entgegen anders lautender Meldungen am Wochenende doch noch auf freiem Fuß. Der internationale Strafgerichtshof und die libyschen Rebellen hatten zuvor berichtet, dass Saif al Islam, der per internationalem Haftbefehl gesucht wird, und zwei weitere Söhne Gaddafis festgenommen worden seien.

Der einflussreiche Sohn des langjährigen libyschen Diktators gilt als dessen favorisierter Nachfolger. Saif al-Islam zeigte sich gestern Nacht vor einer jubelnden Menge loyaler Gaddafi-Anhänger und stattete anschließend dem Hotel in Tripolis, in welchem die meisten ausländischen Journalisten untergebracht sind, einen Besuch ab.

Al-Islam gab sich in einem Gespräch siegessicher und rief die Anhänger des Diktators dazu auf, entschlossen gegen die Rebellen vorzugehen. Auf die Frage, ob sein Vater, Muammar al-Gaddafi, sich noch immer gesund und sicher in Tripolis befinde, antwortete er: „Natürlich“.

Die Rebellen, die am Wochenende überraschend schnell große Teile der Hauptstadt Tripolis eingenommen hatten, geraten nun wieder stärker unter Druck. Besonders in der Nähe des gut gesicherten Bab al-Aziziyah Anwesens, in das sich Gaddafi möglicherweise zurückgezogen hat, kommt es zu schweren Gefechten. Allein am Wochenende gab es hunderte Tote. Panzer und Heckenschützen erschweren den Vormarsch der Rebellen und auch das Wiederauftauchen Saif al-Islams könnte den Kampfgeist der verbliebenen Gaddafi-Truppen stärken.

Staatschefs vieler Länder haben erneut alle Anhänger Gaddafis dazu aufgerufen, ihre Waffen niederzulegen und den Konflikt umgehend zu beenden. Gaddafi, dessen Aufenthaltsort noch immer unbekannt ist, schürt derweil mit Audiobotschaften weiter den Hass gegen die Aufständischen. Auch die Vetomächte Russland und China, sowie die arabischen Nachbarländer Libyens, die sich lange neutral gegenüber dem Konflikt verhalten haben, haben mittlerweile klar gemacht, dass die vier Jahrzehnte absoluter Herrschaft vorbei sind.

Die westlichen Regierungen riefen auch die Rebellen dazu auf, für den Fall des Sturzes des Diktators auf Racheaktionen zu verzichten. Viele Beobachter fürchten, dass die vielschichtigen tribalen, ethnischen und politischen Differenzen den blutigen Machtkampf verlängern könnten.

 




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