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Wie macht sich Ellen?

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Mittwoch, 22. September 2010

Frau Ellen Sirleaf-Johnson ist seit 2005 die erste gewählte weibliche Staatschefin Afrikas. In ihrem kleinen westafrikanischen Heimatland Liberia wird sie von den meisten liebevoll oder spöttelnd „Ellen“ genannt. Seit ihrer Amtseinführung 2006 hat die Präsidentin versucht, aus dem Scherbenhaufen Liberia, den ihr der Kriegsverbrecher Charles Taylor hinterlassen hat, wieder ein funktionierendes Land zu machen. Im kommenden Jahr stehen nun die nächsten Präsidentschaftswahlen an und so werden auch kritische Stimmen laut, die fragen, ob Frau Sirleaf-Johnson genug geleistet hat?

Vierzehn Jahre lang herrschte in Liberia ein Bürgerkrieg, der wegen seiner Brutalität und dem exzessiven Einsatz von Kindersoldaten weltweit für Furore sorgte. Sieben Jahre ist das nun her und während dieser Zeit haben UN-Blauhelme für etwas Sicherheit gesorgt und es wurden Verträge in Milliardenhöhe für Bergbaukonzessionen und Agrarprodukte unterzeichnet, die den Menschen zugutekommen sollen.

Fährt man mit dem Geländewagen über die holprigen Pisten tief in den liberianischen Busch, in das Dorf Gbaota, wird schnell klar, dass die Menschen vor Ort bisher nicht profitiert haben. Gbaota liegt in der Nähe einer großen Eisenerzlagerstätte, die Investoren aus aller Welt anlockt, aber die Bewohner im Dorf sehen von dem Rohstoffreichtum nichts – an ihnen fahren nur die großen Geländewagen vorbei, auf dem Weg zu den regionalen Entscheidungsträgern. Die Menschen im Dorf beklagen, dass die natürlichen Reichtümer Liberias ausgebeutet werden, von dem Geld aber nichts zurückkommt. Das verschwindet ihrer Meinung nach in den Taschen der Politiker und ausländischen Unternehmer.

Kritiker kreiden Ellen an, dass sie die Korruption nicht ausreichend bekämpft hat, der Versöhnungsprozess nicht genügend unterstützt wird und die Reformen im Land zu schleppend vorangehen. Dass die Korruption ein großes Problem ist und dass die Versöhnung noch Jahrzehnte dauern wird, bestreitet fast niemand im Land, allerdings wurde bzw. wird von der Präsidentin in zu kurzer Zeit zu viel erwartet.

Sirleaf-Johnson hat quasi bei Null angefangen und in den sieben Jahren seit dem Bürgerkrieg sukzessive Investoren in das Land geholt, mit Hilfe der UN-Blauhelme die Sicherheit wieder hergestellt, den Bildungs- und Gesundheitssektor teilweise wiederhergestellt und Liberia wieder eine Perspektive gegeben.

Aber die Lage in dem Land ist immer noch fragil und niemand kann sagen, was passieren würde, wenn das Kontingent der UN-Soldaten reduziert würde. Trotz all der offenen Fragen und Probleme gibt es aber immer noch eine Menge Menschen in Liberia, die sich eine zweite Amtszeit von Ellen Sirleaf-Johnson wünschen und hoffen, dass die Zeit auf ihrer Seite steht.

 




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