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Solarenergie versorgt auch entlegene Dörfer mit Strom

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Montag, 3. Januar 2011

Rebecca Waringa lebt in einer ländlichen Gegend Kenias und teilte bis vor Kurzem das Schicksal von etwa 33 der insgesamt 40 Millionen Kenianer: Sie hatte keinen Strom. Allerdings besitzt sie seit einem Jahr ein Mobiltelefon, das sie auch dazu nutzt, Geld zu empfangen bzw. zu verschicken oder die Preise für Lebensmittel am nächstgelegenen Markt in Erfahrung zu bringen. Dank der sinkenden Preise und der immer besser werdenden Netzabdeckung boomt der Handymarkt in vielen Ländern Afrikas seit Jahren.

Nur das Aufladen des Mobiltelefons war für Frau Waringa bisher sehr mühselig. Sie musste zunächst drei Kilometer laufen, um anschließend mit einem Motorradtaxi drei Stunden in die nächstgelegene Stadt zu fahren, in der es Strom gibt. Dort konnte sie ihr Telefon für 30 Cent in einem Laden aufladen lassen. Aufgrund der großen Nachfrage konnte sie ihr Handy jedoch meistens erst nach drei Tagen wieder abholen.

Das war für Frau Waringa der Antrieb, sich nach einer anderen Möglichkeit umzuschauen und im Februar entschloss sie sich dazu, einige ihrer Tiere zu verkaufen und sich für etwa 60 Euro ein chinesisches Solarsystem zu kaufen. Mit einer einzigen kleinen Solarzelle kann sie nun nicht nur genug Strom produzieren, um ihr Handy aufzuladen, sondern zugleich auch noch vier stromsparende LEDs als Deckenlampen betreiben.

Seit Solarpanelen immer günstiger werden und die Technik immer zuverlässiger wird, steigt auch die Nachfrage nach kleinteiligen, netzunabhängigen Solaranlagen. Die moderaten Preise ermöglichen es nun auch ärmeren Bevölkerungsschichten, sich autonom mit Strom zu versorgen, wovon besonders Menschen in abgelegenen Regionen profitieren können.

Der Markt für die neuen Systeme ist enorm. Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge, leben noch immer etwa 1,5 Milliarden Menschen weltweit ohne Elektrizität. Allein in Kenia sind es ca. 85 Prozent der Bevölkerung. Bisher investieren die Industrienationen jedoch vorrangig in Großprojekte, wie zum Beispiel riesige Solarparks in der Sahara. Dabei steckt für die Menschen das größere Potenzial womöglich in der direkten, netzunabhängigen Versorgung.

Frau Waringa beispielsweise freut sich nicht nur darüber, dass sie jetzt ihr Mobiltelefon aufladen kann, sondern auch darüber, dass ihre sechs Kinder nun in der Schule deutlich besser abschneiden – dank des elektrischen Lichtes können die Kinder Abends länger lernen. Außerdem besteht nun keine Gefahr mehr, dass sich die Kleinsten an den rauchigen Kerosinlampen verbrennen, die bislang zum Einsatz kamen. Auch finanziell rechnet sich die Investition für die Kenianerin: Sie spart pro Monat nun 15 US$ für Kerosin und 20 US$, die sie für die Fahrten in die Stadt ausgeben musste.

Im Gegenzug verdient sie zur Zeit sogar noch Geld mit ihrer Solaranlage, weil Nachbarn ihre Mobiltelefone für 20 Cent bei ihr aufladen. Diese Einnahmequelle wird allerdings bald wieder wegfallen, da 63 weitere Familien in ihrem Dorf nun auch eine eigene Solaranlage installieren wollen.

 




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