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Elfenbeinküste: Kinderarbeit bei Zulieferern von Nestlé

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Freitag, 29. Juni 2012

Eine Untersuchung der unabhängigen Vereinigung für Faire Arbeitsbedingungen (Fair Labor Association, FLA) hat ergeben, dass bei vielen Kakaozulieferern für den internationalen Lebensmittelkonzern Nestlé Kinderarbeitsschutzbestimmungen nicht beachtet werden. Der Bericht wirft dem Großkonzern vor, „mehrfache schwere Verstöße“ gegen den firmeneigenen Verhaltenskodex für Zulieferer begangen zu haben. Der Kodex enthält unter anderem Richtlinien in Bezug auf Kinderarbeit, Arbeitssicherheit und Arbeitszeiten.

Nestlé ist der weltweit größte Lebensmittelproduzent, der im Bereich der Schokoladenproduktion beispielsweise die Produkte KitKat, Smarties, Lion und Nesquik herstellt. Die westafrikanische Elfenbeinküste deckt fast die Hälfte des globalen Kakaobedarfs. Aus dem Rohprodukt wird jährlich Schokolade im Wert von über 90 Milliarden US-Dollar hergestellt. Gut zehn Prozent der jährlichen Kakaoernte in der Elfenbeinküste gehen an Nestlé, weshalb der Konzern eine große Verantwortung für die Arbeitsbedingungen vor Ort trägt.

Auf zunehmenden Druck hin hatte der multinationale Konzern der FLA genehmigt, die Lieferkette des Kakaos zurückzuverfolgen. Die Organisation fand heraus, dass die direkten Zulieferer Nestlés, meist selbst internationale Großkonzerne, dem Verhaltenskodex der Firma Folge leisteten. Bei weiterer Untersuchung zeigte sich jedoch, dass alle nachgeschalteten Zulieferer, bis hin zu den Kleinbauern in den abgelegenen Dörfern der Elfenbeinküste, den Richtlinien keine Beachtung schenken.

Da Nestlé darüber Bescheid weiß, dass ihre direkten Zulieferer viele weitere Subunternehmen engagiert haben, trägt der Konzern auch für die Arbeitsbedingungen in diesen Unternehmen Verantwortung. „Jetzt, wo die Lieferkette offen gelegt ist, wird Nestlé auch zur Verantwortung gezogen“, sagte der Präsident der FLA, Auret van Heerden, bei der Veröffentlichung des Berichtes. Und weiter: „Für zu lange war Kinderarbeit in der Kakaoproduktion ein Problem von Allen und dadurch die Verantwortung von Keinem.“

Die FLA dokumentierte in ihrem Report auch zahlreiche schwere Verletzungen von Jugendlichen, die bei der Kakaoernte mit Macheten entstanden sind. Darüber hinaus wurde festgestellt, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene häufig 60 oder mehr Stunden pro Woche arbeiten müssen, ohne für ihre Überstunden bezahlt zu werden.

Auch wenn die Problematik nun zum ersten Mal detailliert erfasst worden ist, so ist das Problem doch kein Neues. Bereits 2001 hatten Nestlé und andere Großkonzerne auf Druck des US-Kongresses hin, ein Abkommen unterzeichnet, dass das Problem der Kinderarbeit beenden sollte – seitdem ist allerdings wenig geschehen.

Der Vizepräsident des operativen Geschäfts bei Nestlé, Jose Lopez, gab in Reaktion auf die Vorwürfe bekannt, dass Kinderarbeit in ihrer Kakao-Lieferkette allem widerspreche, wofür der Konzern stehe. „Kein Unternehmen, das seinen Kakao aus der Elfenbeinküste bezieht, kann garantieren, dass das nicht geschieht, aber wir können sagen, dass der Kampf gegen Kinderarbeit höchste Priorität in unserem Unternehmen genießt“. Ob Nestlé dieses Mal seinen Worten Taten folgen lässt, bleibt abzuwarten.

 

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