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Präsidentschaftskandidaten begraben Feindschaft in TV-Debatte

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Freitag, 26. November 2010

Die Elfenbeinküste steckt mitten in der ersten demokratischen Wahl seit dem Bürgerkrieg 2002/03, der das Land tief zwischen Nord und Süd gespalten hat. Nach der ersten Wahlrunde steht fest, dass es zu einer Stichwahl zwischen dem amtierenden Präsidenten Laurent Gbagbo und dem ehemaligen Premierminister und stellvertretenden Direktor des Internationalen Währungsfond (IWF), Alassane Ouattara kommen wird.

Die beiden Präsidentschaftskandidaten in dem westafrikanischen Land haben sich bisher nicht mit Samthandschuhen angefasst. Bei den hitzig geführten Wahlkampfreden brandmarkten sie den jeweils anderen als „Schlange“, „Lügner“, „Putschist“ oder „Fluch für das Land“ und forderten ihre Unterstützer dazu auf, zu verhindern, dass die Elfenbeinküste in die „teuflischen Klauen“ des Gegners gelangt.

Diese Polemik hat die Stimmung in der Bevölkerung aufgeheizt und dazu geführt, dass jugendliche Anhänger der beiden Kandidaten massenweise auf die Straßen strömten und für ihre Partei protestierten. In etlichen Städten des Landes kam es zu Straßenschlachten zwischen den beiden Lagern, bei denen am Donnerstag eine Mann getötet wurde. Geschürt wird die Stimmung durch die enormen Erwartungen, die die Bevölkerung in die Wahl setzt und die Tatsache, dass alle Umfragen ein Kopf-an-Kopf Rennen voraussagen. Problematisch ist auch, dass die Arbeitslosenzahlen unter den Jugendlichen in der Elfenbeinküste enorm hoch sind und besonders diese Bevölkerungsschichten tief enttäuscht von der Politik sind.

Um die Stimmung nun zu beruhigen und sich wieder verstärkt den Inhalten zuzuwenden, kam es am gestrigen Abend zum ersten Mal in der Geschichte des Landes zu einem TV-Duell zwischen den beiden Präsidentschaftskandidaten, welches fast bis Mitternacht andauerte. Zur Überraschung vieler stellen Gbagbo und Ouattara ihren Streit darüber, wer die Schuld am Bürgerkrieg und der schwachen Wirtschaft trägt, hintenan und diskutierten stattdessen in einem freundschaftlichen Ton über eine Reform des Rechtswesens und Maßnahmen die Jugendarbeitslosigkeit effektiv zu senken.

Während der Diskussion lachten die Kontrahenten miteinander, tauschten Komplimente aus und trugen eine klare Botschaft nach außen: Der erfolgreiche Friedensprozess ist beiden Seiten sehr wichtig. Die Resonanz in der Bevölkerung war ersten Interviews zufolge sehr gut, viele Ivorer glauben nun stärker an eine friedliche Wahl. Beide Kandidaten riefen in ihren Schlussplädoyers die Bevölkerung dazu auf, während und nach den Wahlen friedlich zu bleiben.

 




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