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Äthiopien: Wahrscheinlich zwei Deutsche bei Überfall getötet

Geschrieben von Lukas Niemeyer   
Mittwoch, 18. Januar 2012

Im abgelegenen Nordosten Äthiopiens ist es zu einem bewaffneten Überfall auf eine international besetzte Reisegruppe gekommen. Wie die Regierung des Landes am Horn von Afrika heute bekannt gab, wurden bei dem Angriff zwei Deutsche, zwei Ungarn und ein Österreicher getötet. Darüber hinaus wurden vier Personen entführt, darunter ebenfalls zwei deutsche Staatsangehörige, sowie zwei Äthiopier.

Das Auswärtige Amt in Berlin hat die Berichte der äthiopischen Regierung über die Tötung der Deutschen noch nicht bestätigt. Eine Ministeriumssprecherin teilte jedoch mit, dass die betroffene Reisegruppe tatsächlich deutsche Mitglieder umfasste. Das Auswärtige Amt hat einen Krisenstab eingerichtet und versucht in Kooperation mit der Botschaft in Addis Abeba genauere Informationen über die Hintergründe in Erfahrung zu bringen. Darüber hinaus befindet sich ein Team des Bundeskriminalamtes auf dem Weg nach Äthiopien, um bei der Aufklärung sowie der Befreiung der Geiseln zu helfen.

Der Überfall ereignete sich gegen fünf Uhr am Dienstagmorgen in der Afar-Region. Ersten Berichten zufolge befand sich die Reisegruppe in der Danakil-Senke nahe dem Vulkan Erta Ale. Die im Grenzgebiet zu Eritrea gelegene Senke ist einer der unwirtlichsten Orte der Erde – die höchste jemals gemessene Jahresdurchschnittstemperatur lag dort bei 34,4° Celsius.

Da die Region als Rückzuggebiet für Rebellen gilt, reisen hauptsächlich Entwicklungshelfer und Forscher in die seit den 1970er Jahren als „Wiege der Menschheit“ bezeichnete Senke. Damals wurden dort die Überreste eines über drei Millionen Jahre alten Hominiden entdeckt. Trotz der Sehenswürdigkeiten trauen sich jährlich nur etwa 500 Touristen in diese Grenzregion zwischen Äthiopien und Eritrea.

Die Beziehungen zwischen den beiden Ländern sind seit jeher gespannt – Eritrea erlangte erst 1993 die Unabhängigkeit von Äthiopien; zwischen 1998 und 2000 kam es zu Kämpfen um den Grenzverlauf, bei denen 70.000 Menschen getötet wurden. Die Regierung in Addis Abeba wirft Eritrea immer wieder vor, Rebellen zu unterstützen.

Der offizielle Sprecher der äthiopischen Regierung, Bereket Simon, wirft auch in dem jetzigen Fall der eritreischen Regierung vor, die Entführer ausgebildet und bewaffnet zu haben, eine Anschuldigung, die das kleine Land umgehend zurückwies. Im Jahr 2007 hatte die Regierung in Asmara, der Hauptstadt Eritreas, dazu beigetragen, fünf europäische und acht einheimische Geiseln zu befreien, nachdem diese ebenfalls in der Afar-Region verschleppt worden waren.

 




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